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B474N.DE > Presse > Jahr 2004 >
Wittke findet Berliner Geiz nicht geil 3. März 2006


Bürgermeister Wolfgang Werner will bauen. 140 Häuschen in Hachhausen auf dem Gelände der ehemaligen Haard-Kaserne. Die Gesellschaft für Wohnen (GEWO) steht dafür Gewehr bei Fuß und die Pläne liegen auf dem Tisch. Nur die Verhandlungen mit der Gesellschaft für Entwicklung, Beschaffung und Betrieb (GEBB), die im Auftrag des Bundesverteidigungsministeriums die alten Bundeswehrstandorte vermarktet, sind zäh wie Kaugummi. Aber Datteln hat gestern einen prominenten Fürsprecher für die Kasernen-Bebauung bekommen: NRW-Bauminister Oliver Wittke (CDU).

Und Wittke geht es nicht nur um Datteln, sondern um die inzwischen vielen leer stehenden Bundeswehrimmobilien in NRW ? z. B. in Dülmen oder Rheine. Datteln ist kein Einzelfall. Und deshalb will Wittke das Problem in Berlin grundsätzlich diskutieren.

Rückenwind für neue Verhandlung

Seinen Standpunkt macht der Minister im Rathaus unmissverständlich deutlich: Er kann nicht nachvollziehen, dass "der Bund hier Kasse machen will" auf dem Rücken der Gemeinden. Ausgerechnet der Gemeinden, die durch die Aufgabe der Kasernen wirtschaftlich ohnehin schon gebeutelt sind. Er könne zwar noch verstehen, wenn der Bund die Gemeinden nach der Standortaufgabe nicht direkt unterstützen könne. Sauer macht den Minister aber, dass die GEBB im Namen des Bundes bei den Grundstücksverhandlungen die Städte mit Maximalforderungen konfrontiert. Da will Wittke nach eigenen Worten mit Datteln dagegenhalten.

Worte, die Bürgermeister Werner gerne hört. Denn am kommenden Montag geht der Verhandlungsmarathon um das Grundstücksareal der Kaserne bei der GEBB in Köln in die nächste Runde. Die Ausgangslage ist klar: Die GEBB will möglichst viel herausholen, Datteln möglichst wenig zahlen. Allerdings nicht, weil Wolfgang Werner grundsätzlich geizig ist. Es geht ihm um Stadtentwicklung. Um die Schaffung von neuem, erschwinglichem Wohnraum insbesondere für junge Familien und um Platz für neue Betriebe. Das soll auf dem Kasernengelände umgesetzt werden. Aber Werner und Wittke wissen: Mit in Datteln üblichen Quadratmeterpreisen von bis zu 200 Euro (inkl. Erschließung) wird die Stadt nicht gerade zur Wunschadresse für Familien, die sich zwar die eigenen vier Wände wünschen, aber den Wunsch nur mit preiswertem Baugrund realisieren können. Deshalb soll in Hachhausen auch "nur" bis zu 160 Euro pro Quadratmeter gezahlt werden. Das aber setzt voraus, dass sich die GEBB beim Preis bewegt ? und zwar nach unten. Vielleicht bleibt ja der Schulterschluss zwischen Wittke und Werner nicht ohne Wirkung. Fest steht indes: Die komplette Erschließung des Areals und die Beseitigung der vorhandenen Bauten einschließlich des alten Atomwaffen-Schutzbunkers kostet 5,5 Mio. Euro.

Und da Wittke nicht nur Bau-, sondern eben auch Verkehrsminister ist, haben Werner und der Minister gleich noch mehrere Themen, bei denen man sich schnell näher kommt. Die L 610, die Friedrich-Ebert-Straße zwischen Oer-Erkenschwick und Datteln, soll laut Wittke 2006 auf jeden Fall saniert werden. Dabei erfährt der Bürgermeister, dass diese Straßensanierung im letzten Jahr nicht wie von offizieller Stelle verkündet der Haushaltssperre des Landes zum Opfer gefallen ist. Wittke weist auf den Termin der Landtagswahl 2005 im Mai hin. Die bis dahin rot-grüne Landesregierung wollte wohl, so orakelt Wittke, beim Wähler gut ankommen und hat den Straßenbauetat schon bis März komplett ausgegeben. Folge: Im Sommer war für die L 610 kein Geld mehr im Topf.

Die CDU muss

lange warten

Nicht neu, aber trotzdem schön, aus berufenem Munde zu hören: Auch die Ortsumgehung Horneburg ist laut Wittke "in trockenen Tüchern".

Kurz gestriffen wird auch das Dauerthema B 474n. Wittke findet's gut, dass diese geplante Verbindung zwischen der A 2 in Mengede und der B 235 zwischen Datteln und Olfen in zwei Teile geteilt wurden. Der nördliche Teil auf Dattelner Gebiet soll laut Wittke 2007 in das Fünf-Jahres-Ausbauprogramm des Bundesverkehrsministeriums aufgenommen werden. Nicht unwichtig. Denn damit steht auch das Geld zur Verfügung.

Nach so viel Gemeinsamkeiten darf sich Wittke auch ins Goldene Buch der Stadt eintragen. Und das wurde offensichtlich auch Zeit. Zumindest aus Sicht des CDU-Politikers. "Ich bin wohl der einzige Christdemokrat, der hier reingeschrieben hat", schmunzelt Wittke nach kurzem Durchblättern. Sehr gut möglich. Die letzten 35 Jahre gab es ja auch keine CDU-Minister in NRW.


Quelle: Dattelner Morgenpost, 3. März 2006