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B474N.DE > Presse > Jahr 2004 >
Aus der Heide Ackerland gemacht 5. Januar 2006


Vor 100 Jahren kaufte die Stadt Dortmund die Rieselfelder und entsorgte hier das Schmutzwasser.

1976 wurde die Berieselung eingestellt. Auf der Suche nach Gewerbe und Industrie

Den 100. Geburtstag feiert in diesem Jahr eine auf Dattelner Gebiet und darüber hinaus einmalige Einrichtung. Die besteht zwar seit -

ebenfalls eine runde Zahl an Jahren -

1976 als Einrichtung nicht mehr, ist aber nichts desto trotz auf breiter Ebene aktuell in aller Munde: die Rieselfelder.

Seit 1899 von der Stadt Dortmund erworben und erweitert, wurden bis zur endgültigen Inbetriebnahme im Jahre 1906 etwa 1000 Hektar auf dem Gebiet der Dahler Heide in Pelkum zu den "Dortmunder Rieselfeldern". Schon am Namen "Heide" ist abzulesen, dass es sich bei diesem Stück Land ursprünglich um weitgehend unfruchtbares Ödland gehandelt hatte. Kümmerliche Kiefern, so ein Bericht aus dem Jahre 1928, hätten an diesem weiten, fast ebenen, kahlen, mit Raseneisenstein durchsetzten Standort ihr Dasein gefristet.

Genutzt wurde die Fläche im Großen und Ganzen in Streunutzung als Weide für Schafherden. Die Stadt Dortmund kaufte das Areal für ihre Abwasserbeseitigung. Die Heide wurde auf 80 bis 100 Zentimeter Tiefe mit dem Dampfpflug beackert und dann durch Gräben und Drainage zu "Rieselfeldern". Dazu wurden die riesigen Schmutzwassermengen aus Dortmund durch Bodenfiltration gereinigt und dienten zur Bewässerung der Äcker. Das machte die ehemals landwirtschaftlich nahezu nutzlose Heide als attraktives Gemüseanbaugebiet zu fruchtbarem Ackerland.

Die Stadt Dortmund verpachtete das Gelände zum größten Teil an landwirtschaftliche Betriebe. Das Rieselwasser floss durch Abzugsgräben zur Lippe und speiste auf seinem Weg dorthin Fischteiche, die noch heute zu sehen sind (Erlensee). Es lieferte damit selbst den ständigen Beweis ausreichender Bodenfiltration.

In den 1970er Jahren hätte das gesamte Rieselkanalnetz einer aufwändigen und Kosten intensiven Renovierung bedurft. Die Stadt Dortmund stellte 1976 die dadurch unrentabel gewordene Berieselung ein und veräußerte einen großen Teil der Fläche, von der ein Teil auch zur Nachbarstadt Waltrop gehört. Für die Nutzung danach listete das "Dattelner Jahrbuch" 1975 bis 1989 als Vorteile auf, dass "auf der ehemals landwirtschaftlichen Fläche" nicht mit Belastungen aus industrieller Vornutzung zu rechnen sei. Auflagen zum Imissionsschutz entfielen, weil keine direkte Nachbarschaft zu Wohnvierteln bestünde. "Durch topographische, geologische und hydrogeologische Verhältnisse entstehen ebenfalls keine Nutzungseinschränkungen." Investitionszuschüsse der Landesregierung stellte man möglichen Interessenten damals in Aussicht.

Das ist alles Schnee von gestern. Einige land-

und fischwirtschaftliche Betriebe von klein bis groß sind auch heute noch "in den Rieselfeldern" angesiedelt.


Quelle: WAZ Datteln, 5. Januar 2006