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B474N.DE > Presse > Jahr 2004 >
Ist "in Arbeit", alles "im Gespräch" 12. November 2005


Seit einem Jahr ist Anne Heck-Guthe (SPD) Bürgermeisterin von Waltrop. Nach anfänglicher Euphorie (B474 n, Röhrken, Lidl) fließen Erfolgsmeldungen heute spärlicher. Zudem droht "Koalitionspartner" Theo Surmann mit seiner CDU mit Liebesentzug. Da ist es an der Zeit für ein Gespräch.

Von Pit Schneider

Ob Anne Heck-Guthe denn alles genau so wieder machen würde? "Ja! Aber nur mit Martin". Besagter Martin ist ihr Büroleiter, persönlicher Referent, Ratgeber und nebenbei noch Chef des Bürgerbüros im Rathaus. Und Martin Voskort ist Katalysator für einen anhaltenden Zwist mit der CDU. Anne Heck-Guthe wollte "ihren Martin" befördern, und zwar genau auf jene Gehaltsstufe, mit der zuvor zwei CDU-Referenten bezahlt worden waren. Das hat die CDU blockiert. Sie möchte erst mehr über das Personalkonzept der Bürgermeisterin erfahren. Die Beförderung, angeblich vorher schon mit Theo Surmann abgesprochen, liegt auf Eis. CDU und SPD-Bürgermeisterin, die eigentlich zusammen arbeiten wollten, um nicht für alles die kleinen Fraktionen fragen zu müssen, zerstreiten sich seither an persönlichen Eitelkeiten, die CDU sieht ihr positives Engagement nicht genug von der Bürgermeisterin gewürdigt und zeigt jetzt, dass es auch anders geht.

Eiskalt im Abwasser erwischt

Das hat übrigens auch der Personalrat gezeigt: Die neue Verwaltungsstruktur steckt noch immer in der Trägheit des Systems fest.

Worüber hat sich die Bürgermeisterin in ihrem ersten Amtsjahr am meisten geärgert? "Bei den Abwassergebühren hat man mich kalt erwischt. Ich hatte nicht damit gerechnet, den Bürgern gleich zum Beginn höhere Gebühren aufdrücken zu müssen".

Auf die Frage nach dem größten Erfolg nennt sie nicht die B 474 n, sondern: "Es läuft in Richtung Bürgerkommune. Bürger bringen sich ein, es kommen Ideen und Vorschläge. Bürger fühlen sich verantwortlich für ihre Stadt". Und das

wirke sich in konkreten Einzelfällen aus. Wenn Bürger Druck machen, müssen Politiker Standvermögen bewahren. "Nehmen wir die Schule Oberwiese. Da konnte ich doch nicht ohne Ergebnis nach Hause kommen. Die Eltern haben auf mich vertraut, die haben was von mir erwartet". Deshalb habe sie sich geweigert, das Ministerbüro in Düsseldorf ohne konkrete Zusage zu verlassen. Ab Mai wird an der Schule Oberwiese gebaut.

Doch Bürgerbeteiligung birgt auch Gefahren, etwa dann, wenn die Bürger etwas anderes wollen als die Politiker. Bereut

Anne Heck-

Guthe, sich so weit mit der

versprochenen Volksbefragung zur B 474 n aus dem Fenster gelehnt zu haben? "Ich gehe davon aus, dass die Streckenführung die Zustimmung bekommt". Ansonsten sei man im Rathaus ganz viel "im Gespräch", Probleme und deren Lösungen seien "in Arbeit". Anne Heck-Guthe benutzt gerne solche wenig konkreten Formulierungen.

Etwa im Leveringhäuser Feld. Wann es exakt fertig wird, kann sie nicht sagen. Man sei eben noch in Gesprächen, das Thema sei in Arbeit. Gern möchte Anne Heck-Guthe hier, von der Viktorstraße aus beginnend, Gewerbeflächen für Betriebe erschließen. Aber so lange niemand konkret weiß, was wann passiert, so lange sich nichts getan hat, ist man eben "im Gespräch".

Weiter ist man da schon auf dem Zechengelände, wo extrem hochwertiger Gewerbegrund in der Sonne Manufactums gedeiht. Auch der Altenbruch ist "in Arbeit". Ab dem nächsten Jahr wird die Straße neu gemacht, derweil ist man "in Gesprächen" mit den Grundstückseigentümern, um nach dem Straßenbau ? ähnlich wie im "Röhrken" ? relativ günstiges Bauland anbieten zu können.

Mit dem Röhrken habe man Leute in Waltrop gehalten, mit dem Altenbruch wolle man junge Familien nach Waltrop locken, erklärte Anne Heck-Guthe.

Halbtagskraft für Stadtmarketing

"Im Gespräch" und "in Arbeit" heißt es auch beim Stadtmarketing. Das Geld ist zusammen, um für drei Jahre befristet eine Halbtagskraft einzustellen, die Veranstaltungen und Leerstandsmanagement in der Stadt macht und bezahlt wird von einem neu zu gründenden Verein. Für einen Masterplan (in Arbeit) ist diese Person nicht zuständig. Wer dann? Auffällig ist, dass dann im Rathaus immer der gleiche Name fällt: Nicht "der Martin", sondern Stadtplaner Andreas Scheiba.


Quelle: Waltroper Zeitung, 12. November 2005