Startseite  |   Kontakt  |   Suchen  |   Links  |   Wir über uns   Aktuelles  |   Überblick  |   Datteln/Waltrop  |   Olfen  |   Archiv   


B474N.DE > Presse > Jahr 2004 >
"Lasst die Leute Ideen spinnen!" 5. Mai 2005


Wenn ein hochrangiger Politiker zweieinhalb Wochen vor der Kommunalwahl in der Provinz aufläuft, ist in der Regel Wahlkampfgetöse zu erwarten. Der Besuch von Ludwig Stiegler (SPD) im Haus der Schiffergemeinde war eine wohl tuende Ausnahme.

von Björn Korte

Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion gab in kleinem Kreis Anregungen in Sachen Förderung und Nutzung von Freizeit- und Tourismuspotenzialen ? neben newPark, B 474n und Kraftwerks-Neubau ein Lieblingsthema der Dattelner Verwaltung und der Lokalpolitik.

Die wichtigste Botschaft des Fremdenverkehrsexperten aus Bayern: Eine Region, die für Touristen interessant sein will, muss eine Identität haben und einer klar definierten Zielgruppe Erlebnisse bieten. "Die Leute müssen wissen, warum sie hierher kommen sollen. Wir in Bayern haben es leicht ? wir haben unsere Alpen. Ihr habt Eure Kanäle ? und Wasser hat ja was magisches." Die Entwicklung einer regionalen Identität sei zweifellos eine "Generationenaufgabe", betonte Stiegler.

"Es muss ein runder Tisch entstehen"

Die Ausführungen von Bürgermeister Wolfgang Werner und Schifferpastor Horst Borrieß zu Dattelns Plänen mit den Wasserstraßen (Wohnen am Wasser, Sportboottourismus etc.) und die Hoffnung auf eine verstärkte Nutzung als Transportwege hörte sich Stiegler geduldig an, seine Begeisterung hielt sich aber in Grenzen. Mit vereinzelten Projekten könnte eine Region keine touristischen Potenziale ausschöpfen. "Das ist überall das gleiche: Man muss individuellen Büffeln ein Regionsbewusstsein eintrichtern. Es muss ein runder Tisch entstehen. Der Regierungspräsident muss mit ins Boot. Nur mit großen Lösungen und vielen Ideen kann man etwas bewegen." Außerdem bräuchten Projekte Namen, die die Phantasie potentieller Kunden ansprechen. Ein schlechtes Beispiel sei die regionale Initiative Fluss ? Stadt ? Land. Stiegler: "Fluss ? Stadt ? Land, das klingt so charmant wie eine Wurzelbürste."

Sein Rat: Man sollte einmal in eine Fremdenverkehrsregion fahren und dort in einem professionellen Fremdenverkehrsbüro Anschauungsunterricht nehmen. Außerdem sollten Tourismusexperten zu Rate gezogen werden. Teuer sei dies nicht. Stiegler versprach, seine Kontakte in Berlin zu nutzen, um Datteln auf die Sprünge zu helfen.

Und noch einen Tipp hatte der Bayer parat: "Warum macht Ihr nicht mal eine Ideenwerkstatt, mobilisiert junge Leute, zum Beispiel mit einem Preisausschreiben an Schulen. Lasst die Leute Ideen spinnen! Da kommt mit Sicherheit Tolles bei heraus."

Die Chancen der Stadt, von der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 nennenswert profitieren zu könnte, schätzt Stiegler als gering ein. "An der WM planen die Reiseveranstalter seit Jahren. Da sind die Messen längst gelesen."

VHS-Chef Erwin Bawulski brachte den Nutzen des knapp zweistündigen Gedankenaustauschs auf den Punkt: "Es war interessant zu hören, was ein Außenstehender zu unseren Ideen sagt. Wenn man nur für sich plant, wird man schnell betriebsblind."


Quelle: Dattelner Morgenpost, 5. Mai 2005