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Wer sich am Donnerstagabend von der Podiumsdiskussion in der Stadthalle entscheidende Hilfen erwartet hatte, wo man am 26. September sein Kreuzchen machen sollte, der wurde enttäuscht. Weitgehend Allgemeinplätze, bekannte Positionen und Tritte vor das Schienbein des politischen Gegners gaben den Ton an in der rappelvollen Stadthalle. Auf qualitative Konzepte und Perspektiven für diese Stadt und die Lösungsvorschläge für deren Probleme warteten die Zuhörer, darunter auch viele Parteisoldaten, vergebens.
von uwe wallkötter
Zum Rededuell hatten VHS, DGB, KAB. St. Josef und FBS erstmals gemeinsam Parteien und Bürgermeisterkandidaten auf das Podium geladen. Gefolgt waren der Einladung die Anwärter auf das Bürgermeisteramt, Amtsinhaber Wolfgang Werner (parteilos), Franz-Josef Joemann (CDU) und Theo Beckmann (Die Grünen) sowie als Parteivertreter Hans-Peter Müller (SPD), Walter Deckmann (CDU), Heinz Horstmann (DSP), Peter Amsel (DSP) und Klaus-Otto Bösche (Grüne).
Beispielhaft für die schwammige Diskussion, in der auch (leider) Moderator Erwin Bawulski den Kandidaten nicht energisch genug auf den Zahn fühlte, war der Bereich Arbeitsplätze. Franz-Josef Joemann forderte 3000 neue Jobs für Datteln, Wolfgang Werner avisierte 7000 bis 10000 Arbeitsplätze im newPark (wenn er denn mit der B 474 n kommt), andere Parteien wollen sich bemühen, Rahmenbedingungen zu schaffen. Auf die Aufforderung des Dattelner Unternehmers Jürgen Schmidt (Wirtz Druck) ? "Jetzt werden sie doch mal konkret" ? brachte es Theo Beckmann auf den Punkt: Bei konkreten Prognosen bestehe schon eine gewisse Hilflosigkeit der Politik. Auch Hans-Peter Müller räumte ein, kein Patentrezept zu haben.
Wolfgang Werner machte mit Blick auf newPark und B 474n auf Optimismus (Baubeginn 2006). Für die Grünen dagegen sei das ? wie schon seit 25 Jahren ? nur der Versuch, den Leuten Sand in die Augen zu streuen. Damit will Theo Beckmann, wenn erst einmal Bürgermeister, auch Schluss machen.
Hiebe in die alte SPD-Kerbe
Franz Joemann, nach eigenen Worten eine wirtschaftlich kompetente Persönlichkeit, will im Falle seiner Wahl marktwirtschaftlich orientiertes Handeln im Rathaus einkehren lassen. Dem Vorhaben erteilte Heinz Horstmann ("kritische Stimme des Rates, die manche Dummheit im Rat verhindert hat" ? Horstmann über Horstmann) eine Abfuhr. Eine Verwaltung sei doch kein Unternehmen. Unisono hieben CDU und Grüne in die Kerbe jahrzehntelanger Versäumnisse der SPD-Mehrheit. Klaus-Otto Bösche verteidigte die von der SPD kritisierten hohen Personalkosten (externer RPA-Leiter, externe Wirtschaftsförderin und zwei Beigeordnete) damit, dass "die Stadtverwaltung von innen nicht reformierbar ist, da viele bei Niggemeier und Böhm in die Schule gegangen sind. Da muss was von außen kommen." Und Theo Beckmann ergänzte: Die SPD habe sich das "Rathaus personell und strukturell 38 Jahre lang unter den Nagel gerissen".
Einer der letzten Wortbeiträge kam schließlich von einer Oberstufenschülerin des Gymnasiums und richtet sich an die CDU: "Seit drei Jahren sitzen wir in Klassen, an denen es an Wänden und Decken schimmelt. Wie wollen sie ein Freibad finanzieren, wenn nicht einmal die Schulen renoviert werden?" Eine Antwort bleibt aus. Auch die Schülerin geht an diesen Abend nach Hause ? vermutlich mit einem größeren Fragezeichen im Kopf als vorher.
Quelle: Dattelner Morgenpost, 18. September 2004