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In der Nacht sind alle Katzen grau. Wer dennoch etwas sehen möchte, muss sich anderer Mittel bedienen. Fledermäuse besitzen einen sechsten Sinn, der ihnen die nächtliche Aktivität leicht macht.
Ultraschall macht es möglich. Das Prinzip kennen werdende Eltern allzu gut. Der Nachwuchs hat noch nicht das Licht der Welt erblickt und schon gibt es Ultraschallbilder, die das junge Leben fürs Familienalbum dokumentieren. Aus Filmen deutscher und amerikanischer Produktion sind die lähmenden Sequenzen des monotonen Echolotes vor alles zerreißenden Explosionen bekannt.
Fledermäuse nutzen die hochfrequenten Töne zwischen 20 und 215 Kilohertz seit 60 Millionen Jahren zur Orientierung bei ihren nächtlichen Beuteflügen.
Der Dattelner Alfons Pennekamp ist den nachtaktiven Säugetieren seit etlichen Jahren mit seinem Fledermausdetektor auf der Spur. Ohne technische Hilfsmittel sind die Ultraschallsignale, mit denen sich Fledermäuse bei Nacht orientieren, nicht wahrnehmbar. "Für das menschliche Ohr ist bei 18 Kilohertz Schluss". Kinder können den großen Abendsegler, der Signale um die 20 Kilohertz aussendet, noch hören, so der Dattelner Sprecher des Naturschutzbundes.
Regelmäßig ist Alfons Pennekamp in Datteln und den angrenzenden Bauerschaften in Sachen Fledermäusen unterwegs. Ein- bis zweimal die Woche "verhört" er die Tiere nach Sonnenuntergang mit seinem 3 000 Euro teuren Equipment.
Am vergangenen Dienstag startete die Tour an den Fischteichen bei Haus Vogelsang. Motor aus, Köpfhörer auf: "Ich hör schon den großen Abendsegler, da war noch was, dass hört sich gut an!" Was war es denn?
Das ergibt die spätere Auswertung der Signale am heimischen Computer. Von Ahsen geht es weiter zum Rathaus. Am dortigen Lohbusch kreisen regelmäßig Zwerg- und Breitflügelfledermäuse. Pennekamp wurde durch Anwohner auf die Vorkommen aufmerksam.
Und tatsächlich, dass was sich mit den Kopfhörern wie plätschernde Wassertropfen anhört, sind die Zwerge, die nächtens die Luft am Rathaus durchschneiden. Vom Lohbusch weiter zum Höttingpark. Am Teich hofft Pennekamp auf Wasserfledermäuse. Früher gab es hier etliche alte Bäume, in deren Höhlen verschiedene Arten lebten. "Seitdem der Mühlenbach saniert wurde und im Park ein Kehraus stattfand, ist damit Schluss", meint Pennekamp, der mit solchen und ähnlichen Problematiken auch im Landschaftsbeirat des Kreises Recklinghausen beschäftigt ist.
Im Deipe-Wald, wo die B 474 n in Zukunft die Rieselfelder erschließen soll, wurde vor einigen Jahren eine Fransenfledermaus gefangen. "Fransenfledermäuse sind typisch für feuchtere Wälder und in unserer Gegend nicht besonders häufig", für Pennekamp war sie an diesem Abend nicht zu hören. Dafür machten Eichenschrecken auf sich aufmerksam. Nicht nur Fledermäuse nutzen die hochfrequente Lautäußerung. Was sich anhört wie aufeinanderprallende Kieselsteinchen kommt aus den Baumkronen. Früher rangierten Eichenschrecken in der Roten Liste der gefährdeten Tierarten ganz oben. Heute weiß man, dass die Tiere einfach nur schwer erfassbar sind.
"Am Ehrenmal haben wir sicher mehr Glück", und siehe da, vor uns kreisen über den Köpfen der ruhenden Stockenten gleiche mehrere Wasserfledermäuse. Hier hat Alfons Pennekamp sogar schon Rauhautfledermäuse aufgezeichnet. Ähnlich wie Zugvögel pendelt diese Art zwischen Sommer und Winterquatieren. Im Sommer halten sich Rauhautfledermäuse in den östlichen Bundesländern und Polen auf und im Winter zieht es die Tiere in den Süden Frankreichs, erklärt der Fledermausexperte.
Bevor die aufgezeichneten Ultraschallsignale am Computer ausgewertet werden, geht es noch schnell nach Horneburg. Wenn schon kein Kaiman in der Graft am Schloss gefunden wurde, kreisen über der Wasserfläche doch Wasserfledermäuse auf nächtlichem Beutezug.
Wieder daheim im Büro des Garten- und Landschaftsbauers wird es am Rechner zu später Stunde noch mal aufwendig. Mit Hilfe einer speziellen Software kann Alfons Pennekamp die aufgezeichneten Signale genau auswerten. Jede Fledermausart sendet unterschiedlich hohe Frequenzen aus. "Am Sonagramm kann ich erkennen, in welchem Frequenzbereich das aufgenommene Signal liegt", so kann Pennekamp die Art exakt bestimmen.
Zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz kümmert sich Alfons Pennekamp nicht nur in Datteln um die nächtlichen Räuber. Neben den regelmäßigen Beobachtungen bietet die AG auch Exkursionen für Menschen, die immer schon mal mehr über Fledermäuse wissen wollten, an. Ausführliche Informationen zu Fledermäusen finden sich in Wort, Ton und Bild unter: www.fledermausschutz-kreisrecklinghausen.de.
Quelle: WAZ Datteln, 6. September 2003