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Briefe an Steinbrück oder warum Waltrop Stadt bleibt 19. August 2003


Waltrop und Datteln - eine Stadt? Da ist Ministerpräsident Peer Steinbrück vor. Einen Zusammenschluss der beiden Städte wird es mit ihm nicht geben. Doch einer lässt nicht locker - und redet gar der Eingemeindung Waltrops das Wort. Ein Waltroper!

Seit einigen Wochen gibt es einen Briefwechsel zwischen Dr. Volker T. und Ministerpräsident Steinbrück. Hatte sich T. doch für eine neue Gebietsreform ausgesprochen: das Land also soll wie einst in den siebziger Jahren die Städte zusammenlegen.

Peer Steinbrück dürfte es allein bei den Gedanken daran grausen. Eine Protestwelle jagte in den Siebzigern die nächste. Auch in Waltrop wehrten sie sich mit Händen und Füßen - gegen die geplante Eingemeindung nach Dortmund. Dafür soll die Stadt jetzt unter das Dach von Datteln? Unvorstellbar.

Wohl auch für den Ministerpräsidenten. Schrieb dieser dem Waltroper doch: "Bedarf für eine Gebietsreform sehe ich zur Zeit nicht". Es gebe da eine psychologische Grenze, die zu beachten sei. "Kommunen leben auch von der Identifikaktion ihrer Bürgerinnen und Bürger mit der jeweiligen Stadt oder Gemeinde".

Doch Dr. Volker T. gibt so schnell nicht auf. Hatte der Ministerpräsident nicht gesagt: zur Zeit nicht? Also antwortete der Waltroper sechs Wochen nach Steinbrücks Brief: "Aus meiner Sicht ist ein Zusammenschluss von Waltrop und Datteln dringend erforderlich".

Nun hatte der Ministerpräsident ja darauf verwiesen, es sei allemal besser, wenn die Städte zusammenarbeiten als sie zusammenzuschließen - aber wenn es doch zwischen diesen beiden Städten keine Zusammenarbeit gebe, wendet Dr. T. nun ein, dann bleibe eben keine andere Wahl . . . und führt als Beleg Waltrops Ausstieg aus dem Industrie-Vorhaben New Park an.

"In Datteln bewegt sich allerhand", schreibt der Waltroper, "in Datteln geht es vorwärts". Denn da haben sie ja "im Gegensatz zu Waltrop einen hervorragenden und engagierten Bürgermeister". Doch nicht nur Willi Scheffers bekommt sein Fett weg. So fügt Dr. Volker T. an: "In Waltrop arbeiten die Parteien gegeneinander und gemeinsam gegen den schwachen Bürgermeister".

Nicht eine einzige Firma habe sich seit der Kommunalwahl 1999 in Waltrop angesiedelt, klagt der Waltroper. Er frage sich da, "wofür Waltrop einen hauptamtlichen Bürgermeister und 40 Ratsmitglieder benötigt".

Auch in Sachen Gewerbegebiet "Leveringhäuser Feld" wäre Dattelns Bürgermeister Wolfgang Werner gewiss viel weiter. Steinbrücks Vorgänger Wolfgang Clement habe das Gewerbegebiet einst eingeweiht. "Seitdem herrscht Totenstille", schreibt Dr. T. Ein ernstes Wort möge Peer Steinbrück darüber mit seinen parteifreunden in Waltrop einmal reden, damit "das Gejammer unterbleibt".

Da mag der Ministerpräsident ruhig an das "Wir-Gefühl" appellieren, für Dr. T. ist "ein Zusammenschluss von Waltrop und Datteln unumgänglich". Norbert Jänecke


Quelle: WAZ Waltrop, 19. August 2003