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Ostvestbad ein Wackelkandidat 10. Oktober 2002


Das geplante interkommunale Bad, das Datteln und Waltrop bauen wollen, wird immer mehr zum Wackelkandidat. Und das aus zweierlei Sicht: Zum einen hat spätestens die jüngste Sitzung der Sportausschüsse der beiden Städte gezeigt, dass es in Waltrop erhebliche Widerstände gibt. Zum anderen tauchen immer mehr Fragezeichen bei der Finanzierung des 12,9 Mio. Euro teuren Bad-Projektes auf.

Nach der Sitzung von Montag in Waltrop ist auch in der Dattelner Lokalpolitik deutlich geworden, dass selbst die CDU aus Waltrop das Vorhaben kritisch betrachtet, vor dem Hintergrund von 9000 Unterschriften, die zum Erhalt des Waltroper Allwetterbades gesammelt worden sind, ist das kaum verwunderlich.

Die neueste Variante (8a), die von der Unternehmensberatung Prova serviert hat, ist eine Gleichung mit vielen Unbekannten, bei der die Kommunalaufsicht schnell einen Strich durch die Rechnung könnte. Denn gleich mehrere Bausteine der Finanzierung sind nicht gerade für einen Konsolidierungshaushalt wie in Datteln ihn hat geeignet. Erstens: In der 8a-Variante kommt Prova nicht mehr zu einer Investitionssumme von 12,9,, sondern "nur" noch auf 11,3 Mio. Euro, weil die Kosten für die Sauna (rund 1,5 Mio. Euro) rausgenommen wurden, da sich die Sauna selbst trage. Einnahmen aus dem Saunabetrieb sind aber noch in der Berechung enthalten. Zweitens: Um die jährlichen Zuschusskosten für den Bäderbetrieb zu drücken (die Entlastung der städtischen Haushalte war immer ein Hauptkriterium) werden die Erlöse für die Altstandorte von insgesamt fünf Mio. Euro von der Bausumme abgezogen. Bürgermeister Wolfgang Werner (kl. Foto) räumt ein, dass er sich nicht sicher ist, ob die Kommunalaufsicht dem überhaupt zustimmt. Nach dem Motto: Wenn die Stadt Datteln schon Flächen verkauft, dann bitte die Erlöse zur Etatsanierung verwenden. Drittens: Jetzt schlägt Prova vor, dass Datteln und Waltrop je eine Mio. Euro aus ihren Anteilen am Erlös der VEW-Aktienverkäufe des Kreises als Anschubfinanzierung des Bade einsetzt.

Finanzjonglagen

Diese Finanzjonglagen haben aber nur das Ergebnis, dass Datteln bei einem neuen Bad immer noch den gleichen jährlichen Zuschuss hat, wie heute auch schon: nämlich rund 500 000 Euro. Da aber damit keine zusätzliche jährliche Entlastung des Haushaltes eintritt, steht auch hier ein dickes Fragezeichen hinter der Projekt-Genehmigung. Kein Wunder also, wenn man im Dattelner Rathaus schon damit rechnet, nicht nur den Kreis RE, sondern auch die Bezirksregierung, notfalls auch das Innenministerium im Verfahren einzuschalten.

Gleichwohl will man im Rathaus den Kampf nicht aufgeben und hofft insbesondere noch auf ein Einlenken der Waltroper. "Natürlich profitiert Datteln jetzt mehr von einem Ostvestbad. Doch in drei bis fünf Jahren ist die Situation der Waltroper Bäder genauso marode wie heute schon in Datteln", so Bürgermeister Werner. Wie er weiß auch CDU-Fraktionschef Walter Deckmann (Foto unten), dass man beim Ostvestbad Abstriche machen müsse was die Wasserfläche angehe. "Aber mir ist der Spatz in der Hand lieber als die Taube auf dem Dach. Ein größeres Ostvestbad ist nicht zu bezahlen", so Deckmann, der verärgert ist ob "der Fundamental-Opposition der Waltroper SPD, die wir bei newPark und B 474n erleben durften."


Quelle: Dattelner Morgenpost, 10. Oktober 2002