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Deutliche Kritik am Umgang mit einer möglichen BMW-Ansiedlung in den Rieselfeldern wurde auf einer Fachtagung der Projekt Ruhr GmbH laut. Durch die unattraktive Gestaltung der Bewerbung hätte die Region diese Chance verschenkt.
Das Interesse des Automobilherstellers an einer Errichtung eines Werkes sei eine gute Gelegenheit für die Region gewesen, erklärte Michael Deitmer vom Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand, Energie und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen. Es könne nicht sein, dass eine solche Chance für die Region durch die Uneinigkeit der handelnden Akteure leichtfertig verschenkt würde.
"Die Region muss sich deutlicher auf ihre Stärken besinnen, und das ist im Ruhrgebiet der industrielle Sektor mit dem produzierenden Gewerbe", erklärte Michael Deitmer. Ähnlich sah das auch Eckhardt Brockhoff von der Essener Immobiliengesellschaft Brockhoff & Partner: "Wenn man derartige Großbetriebe in die Region haben will, muss man innovative Wege der Bewerbung gehen", erklärte er.
Brockhoff vermittelt seit Gründung des Unternehmens 1986 gewerbliche Immobilien und gehört zu den Marktführern bei der Vermittlung von Büro-, Hallen- und Gewerbeparkflächen im Ruhrgebiet. "Man hätte dem BMW-Vorstand Bilder aus dem Ruhrgebiet mit in Grünflächen eingebetteten Industriegebäuden zeigen können", erläuterte Brockhoff.
In diesem Zusammenhang hätte man anbieten können, in Werksnähe sehr kostengünstige Baugrundstücke für die Mitarbeiter zusätzlich anzubieten, um weitere Attraktivitätssteigerungen zu erreichen. "Nur mit derartigen innovativen Ideen kann man Großbetriebe heute noch in die Region bekommen", sagte Brockhoff.
Generell müsse das Ruhrgebiet als eine Einheit auftreten, um am nationalen und internationalen Markt noch eine Chance zu haben. "Konkurrenzsituationen der einzelnen Ruhrgebietsstädte untereinander bringen die Region nicht weiter", sagte Brockhoff.
Derzeit gehe es meistens darum, der Nachbargemeinde ein Unternehmen wegzunehmen, um es als eigenen Erfolg zu verbuchen. "Tatsache bleibt jedoch, dass man dadurch keine neuen Arbeitsplätze in der ganzen Region schafft", erklärte der Fachmann.
Wie berichtet, waren sich nicht einmal die Städte Waltrop und Datteln bei den Bemühungen um die Autofabrik einig. BMW hat sie in Leipzig eröffnet. Dennoch gilt noch heute der Waltrop-Dattelner Streit als Paradebeispiel für die Kirchturmspolitik im Ruhrgebiet.
Quelle: WAZ Waltrop, 1. Oktober 2002