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Podiumsdiskussion: Wenn fünf Politiker vorsingen 6. September 2002


Nationale Probleme, wie die Arbeitslosigkeit, aber auch regionale, wie die Olfener Ortsumgehung, waren Eckpunkte, an denen sich die Bundestagskandidaten am Montagabend in der Stadthalle reiben durften. Rund 150 Olfener honorierten die Statements von fünf Politikern mit mehr, weniger oder gar keinem Applaus.

Lag es am Publikum oder den Politikern? Dem üblichen Olfdener Wahlverhalten gar nicht entsprechend, erntete die SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Angelica Schwall-Düren summa summarum die größte Klatscheinheiten-Ausbeute. CDU-MdB Werner Lensing folgte mit knappem Abstand an zweiter Stelle. Vor allem, weil er von einer kleinen, aber lauten Anzahl von massiven B-474-n-Befürwortern Rückendeckung bekam.

Höflichkeitsapplaus auch für die Kandidaten Willi Kortmann von den Grünen und Michael Große Verspohl (FDP), wogegen Detlev Graf von der PDS eher Kopfschütteln als Zustimmung erntete. Nach einer relativ relaxten Abfrage der Politiker nach Grundsatzpositionen hatte Moderator Theo Wolters von den Ruhr-Nachrichten aufgebrachte Zuschauer zu beschwichtigen, die selbst Fragen stellen wollten, und gab am Ende grünes Licht.

Während Schwall-Düren auf ein "Reformprojekt" verwies, das die rot-grüne Koalition auf den Weg gebracht habe, fiel Lensing zum Thema Positivbilanz der aktuellen Regierung "gar nichts ein". Große Verspohl bewertete lediglich als positiv, "dass Schröder acht Minister rausgeschmissen hat".

Kortmann stellte heraus, dass die Koaltion nach 16 Jahren Kohl und 29 Jahren FDP-Mitregierung ein Programm auf die Beine gestellt habe, das nachhaltig sei und bewirke, dass "wir Menschen auch noch in 1 000 Jahren existieren können".

Graf machte deutlich, dass SPD, CDU und FDP gleichermaßen Pläne schmiedeten, den Kündigungsschutz zu lockern, den Niedriglohn-Sektor zu fördern und durch Verschärfung auf dem Arbeitslosen-Sektor die "Arbeiter zur Zwangsarbeit zu verpflichten."

Einmal erntete der PDS-Mann sogar verhaltenen Applaus, nämlich als er sich zum Thema B 474 n nicht äußern wollte, weil er davon überhaupt keine Ahnung habe. Da wurde die Ehrlichkeit honoriert.

Beim Thema B 474 n warf Schwall Düren ihrem christdemokratischen Gegner Unehrlichkeit im Umgang mit der Öffentlichkeit vor. Die Straße werde von Land und Bund nicht grundsätzlich abgelehnt, sondern deren Dringlichkeit lediglich überprüft. Ihre persönliche Position: "Jede Straße bringt auch neuen Verkehr mit sich. Für die Wirtschaftlichkeit der Region tun wir nichts, zusätzlich belasten wir sie mit neuem Verkehr."

Lensing stellte heraus, dass die alte Bundesregierung die B 474 im Jahr 1992 als vordringlichen Bedarf im Bundesverkehrswegeplan ausgewiesen habe. "Mit der Bundesstraße können wir das Beziehungsgeflecht zwischen Ruhrgebiet, Münsterland und den Niederlanden voran treiben.

Für Große Verspohl ist die B 474 n allein schon deshalb notwendig, weil mit der geplanten LKW-Maut auf Autobahnen der Schwerlastverkehr auf die Landstraße und damit auch nach Olfen gelenkt werde.


Quelle: WAZ Olfen, 6. September 2002