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Wie reden Leute von auswärts eigentlich untereinander über unsere kleine Stadt, wenn sie uns schon so etwas ins Gesicht sagen?
Neulich in einem Laden in der Nachbarstadt, die ihre breite touristische Brust auf dem Buckel der alten Römer und auf der "Wasserschiene" vor sich her schiebt, weil erstens die antiken südländischen Okkupanten auf dem Wege, sich im Teutoburger Wald eine blutige Nase zu holen, in "Aliso" ihre müden Häupter zwischen gelagert haben. Und zweitens später die Stever zufällig dort und nicht woanders aufgestaut wurde. Der praktizierende Kanalstädter sorgt für Umsatz (das "Objekt der Begierde" war in Datteln leider nicht im Angebot. Schade), bekennt sich während des Verkaufsgespräches zu seiner kleinen Stadt und verkündet stolz, dass das belebende flüssige Element dort jetzt "ab in die Mitte" soll.
"Datteln?" echot es, "ich habe gehört, das würde demnächst mit Sand zu geschüttet für die Trasse der neuen Transitstrecke Paris-Bottrop-Olfen." Gemach, mein lieber lästernder Seestadt-Nachbar.
Neue Straße? Da sind wir Kummer gewohnt! B 474n, Ortsumgehung Horneburg und so weiter! Das dauert. Da wirbelt noch so manche Windhose den Zuschütt-Sand in der Westruper Heide vom Kipper.
Aber, denkt doch eurerseits mal nach: Atlantis und Vineta lagen auch am Wasser und hatten große Klappe. Und was war? Ihr werdet gewiss alle fürchterlich nasse Füße bis zum Schopfe gehabt haben, wenn in zigtausend Jahren "Spökenkieker" in einer global erwärmten Welt mit geschmolzenen Polen bei "eisigen" 30 Grad plus im Schatten an langen Winterabenden von vergilbten und knittrigen CD-Roms mit Sagen und Schnurren, aus dann tiefster, grauer Vorzeit hinter vor gehaltener Hand mit Grabesstimme geheimnisvoll flüsternd, von Haltern "im" See statt von Haltern am See in die Totalvernetzung munkeln . . .: In Datteln, das dann ganz sicher hoch über allen Wassern auf einem begrünten Sandhügel thront.
Ja, für diesen Gedanken könnte ich mich doch glatt erwärmen.
Heinz-Jürgen Rottmann
Quelle: WAZ Datteln, 6. August 2002