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B474N.DE > Presse > Jahr 2001 >
Ab 2005 ein grünes Wohndorf in einer neuen Ruhrstadt 31. Dezember 2001


Schneller als erwartet hat der NRW-Innenminster einen Gesetzentwurf über die Bildung Ruhrstadt vorgelegt. Das neue Kommunalgebilde soll am 1. Januar 2005 entstehen. Dieses Datum wurde bewusst gewählt, weil eigentlich im Herbst 2004 Kommunalwahlen stattfinden sollen. Sie werden verschoben. Die Amtszeit von Bürgermeisters und Rates wird zunächst bis zum Jahresende verlängert.

Aus der Traum für Willi Scheffers, ein neuer Bürgermeister wird nicht mehr gebraucht, allenfalls ehrenamtlicher ein Ortsvorsteher. Denn Waltrop wird in einer Ruhrstadt seine Selbstständigkeit verlieren.

Das Ruhrstadt-Gesetz schafft zwar nicht alle Rathäuser ab, aber es bleiben neben einer Zentrale in Essen nur die drei größten Städte Dortmund, Bochum und Duisburg als große Regionalgebilde mit relativer Selbstständigkeit bestehen.

Wie andere kleine Kommunen am Rande des Reviers hatte sich Waltrop bis zuletzt gegen eine solche Lösung gewehrt. Doch Resolutionen des Rates sowie über 10 000 Unterschriften bewegten nichts. Waltrop ist dazu verdammt, einer der kleinsten Bezirke im Stadt-Moloch Dortmund zu werden, zu dem auch Castrop-Rauxel und Lünen zählen.

Möglicherweise erhält Waltrop nicht einmal eine eigene Bezirksvertretung. Den Landespolitiker war die Kleinstadt mit den quengeligen und unentschlossenen Politikern ohnehin schon lange ein Dorn im Auge. Denn der Widerstand gegen die B 474 n und die Industrialisierung der Rieselfelder war in Düsseldorf mit großem Ärger registriert worden.

Beides wird jetzt konsequent durchsetzt. Alle Klagen gegen die Bundesstraße waren ohnehin abgewiesen worden. Für die Rieselfelder interessiert sich ganz überraschend die RWE-Tochter Energia AG, die dort im großen Stil Brennstoffzellen für Privathäuser produzieren will, die inzwischen zur Serienreife entwickelt worden waren. Die Nachfrage ist riesig. Es könnten bis zu 3 000 Arbeitsplätze in den Rieselfeldern entstehen. Der Flächenbedarf liegt bei 100 Hektar.

Waltrop hat sich inzwischen in sein Schicksal gefügt. Im Gegenteil zu einigen Mittelstädten, die gegen die Einverleibung vor den Verfassungsgerichtshof NRW ziehen wollen, ist dies in dem grünen Dorf am Kanal nicht vorgesehen.

Die Anziehungskraft als Wohnstädtchen ist Waltrop geblieben. Im Altenbruch werden die ersten Eigenheime bezogen. Architekt Daniel Lütkenhaus hat eine schmucke Siedlung entworfen, die nach wie vor Dortmunder interessiert. Aber was heißt schon Dortmunder? Alle werden nur noch Ruhrstädter sein.

Gerd Kestermann "Waltrop - wohin"? Die Frage ist im abgelaufenen Jahr oft im Zusammenhang mit der Zukunft der Rieselfelder und der B 474 n gestellt worden. Die Frage reizt am Jahreswechsel zu einem visionären Ausblick in die Zukunft.


Quelle: WAZ Waltrop, 31. Dezember 2001