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B474N.DE > Presse > Jahr 2001 >
Vom Urquell des Lebens hängt auch die Zukunft der Stadt ab 29. Dezember 2001


"Marina" und "maritim" dürften wohl die Worte des Jahres 2001 sein. Damit sind nicht nur neue Ideen der Vermarktung einer Stadt verbunden, die seit dem Bau des Dortmund-Ems-Kanals und den nachfolgenden Kanälen am Wasser gebaut ist, damit wird auch ein Strukturwandel angepeilt, der für die gesamte Region von Bedeutung ist.

Das Stadtbad hielt auch in diesem Jahr Verwaltung und Politik in Atem. Was daraus letztlich werden soll, hängt natürlich auch von den Finanzen ab.

Dieser Strukturwandel geht einher mit dem neuen Denken in der Gesellschaft, das mehr und mehr Freizeit orientiert ist. Dies bedeutet gleichsam für die Kanalstadt - dieser Beiname brauchte in diesem Zusammenhang jedoch nicht neu erfunden zu werden - ein Pfund, das mehr zu wiegen erscheint, als so mancher "Kleckerbetrieb" oder Billiganbieter in der Innenstadt.

Nur - es muss etwas daraus gemacht werden, bevor sich andere Städte auch auf ihren Freizeitwert besinnen und Datteln auf anderen Gebieten das Wasser dann wieder einmal abgraben. Die Nachbarstadt Oer-Erkenschwick mag in diesem Zusammenhang ein Beispiel sein. Da soll nicht nur die Zechenbrache ein neuer Anziehungspunkt werden für Pferdesport oder Golf, dort wird auch in den Freizeitpark am Rande der Haard investiert, um noch mehr Menschen anzulocken.

Wobei wir bei einem weiteren Jahresthema wären, das eigentlich in den zurückliegenden beinahe Jahrzehnten ein Dauerbrenner war und wohl auch noch bleiben wird: Unsere Badeanstalt.

Vor "Urzeiten" in einem sumpfigen Gelände erbaut - ich höre heute noch die Pumpen, die den Unterricht an unserer Penne massiv störten - versackt sie mehr und mehr im Morast und kostet dem Steuerzahler viel, zu viel Geld. Die Pläne, die kurz vor Jahresfrist noch so eben vorgestellt worden sind, mögen Träume wach gerufen haben. Doch Träume sind Schäume, wenn auf der einen Seite die finanziellen Mittel zur Realisierung fehlen und auf der anderen Seite Projekte ähnlicher Art wie in der Stimbergstadt oder in Dorsten berücksichtigt werden müssen.

Zurück zur "Marina", womit sich der neue Vorsitzende der Werbegemeinschaft, Alfred Jansen, gleich mit Beginn seines Amtsantrittes als Nachfolger von Wilm Sternemann einen Namen gemacht und mit dem neuen Amt wahrlich keine leichte Aufgabe übernommen hat, weil eben diese Werbegemeinschaft in sich gespalten erscheint und sich an neue Ideen wohl erst einmal gewöhnen muss.

Mit im Boot des neuen Vorsitzenden sitzt aber auch eine weitere neue Person auf der Kommandobrücke: Petra Feldotto hat auf Wunsch des Rates das Ruder in Sachen Wirtschaftsförderung in die Hand genommen. Und auch sie ist längst schon zu dem Schluss gekommen, dass das Wasser auszunutzen ist, damit die Stadt nicht untergeht.

Denn einen Freizeitwert zu schaffen, bedeutet gleichsam auch eine Verbesserung der heimischen Infrastruktur, wobei die kulturellen Werte, die es mittlerweile am Ort gibt, noch anderweitig betrachtet werden sollen. Warum nämlich konnte das Projekt "Gewerbegebiet Löringhof" noch nicht realisiert werden? Ganz einfach: Trotz ausgezeichneter verkehrlicher Anbindungen in Form von Schiene und - wieder einmal Kanal - finden sich keine Interessenten, die sich gegenüber der ehemaligen Mülldeponie ansiedeln wollen. Hier hat Petra Feldotto sicherlich auch noch ein schweres Feld zu beackern, bevor dann über den "neuen Park" nachgedacht werden soll.

Ach so - damit ist das Gebiet der ehemaligen Rieselfelder gemeint, das im Landesentwicklungsplan (LEP) 6 seit mittlerweile mehr als drei Jahrzehnten als Industriestandort ausgewiesen ist und je nach Sichtweise des Betrachters heute noch als landwirtschaftliche Fläche und Naherholungsgebiet genutzt und nicht anderweitig "vergeudet" wird.

Womit sich gleichsam der Kreis schließt. Was uns nicht nur das nun auslaufende Jahr lehrt: Ohne eine Verbesserung der Infrastruktur - sprich unter anderem der Freizeitkultur - dürfte es schwer werden, neues Gewerbe anzusiedeln. Petra Feldotto und auch Alfred Jansen haben da wohl noch einiges zu tun.

Norbert Schmitz


Quelle: WAZ Datteln, 29. Dezember 2001