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Kreis Coesfeld - Die "Verwirrung" scheint beim Thema "B 474n" komplett.
"Die Finanzierung ist kein Problem mehr", verkündete am Mittwoch im Kreistag der 2. stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Dietmar Bergmann. Im "Zusammenspiel" mit CDU und FDP erarbeiteten Vertreter der SPD eine Resolution zum Bau der Straße von Datteln bis zum Autobahnanschluss Dülmen-Nord.
Nicht bekannt war offensichtlich dabei, dass fast zeitgleich die heimische SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Angelica Schwall-Düren eine Pressemitteilung mit deutlich anderem Inhalt verbreitete. Danach sind "nur" die Ortsumgehungen von Coesfeld-Lette und Dülmen gesichert. "Für die Maßnahme Ortsumgehung Coesfeld-Lette wurden 10 Mio. DM und für die B 474 Ortsumgehung Dülmen 23 Mio. DM bewillgt", erklärte die SPD-Politikerin wörtlich.
Und weiter präzisierte die münsterländische Abgeordnete: "Weil die Versteigerung der UMTS-Lizenzen so erfolgreich war, konnte die Verschuldung des Bundes um fast 100 Mrd. DM reduziert werden. Die dadurch eingesparten Zinsen fließen auch in den Kreis Coesfeld. Ziel der Investitionen sei es, die Innenstädte zu entlasten und die Belastung der Menschen durch Verkehrslärm und Abgabe zu verringern. Außerdem wird damit die Sicherheit vor allem für Fußgänger und Radfahrer erheblich verbessert."
Doch mit diesen beiden "Teilprojekten" will sich der Kreistag nicht zufrieden geben. Mit großer Mehrheit hat sich das Gremium am Mittwoch für den Bau der B 474n "in ihrer Gesamtheit" ausgesprochen. Auch die Bemühungen zur Ansiedlung eines BMW-Werkes im "Industriepark Lippetal" in Datteln bzw. Waltrop begrüßte der Kreistag.
Die FDP-Fraktion hatte das Thema auf die Tagesordnung gebracht. CDU und SPD unterstützten den Bau der B 474n. Sie sei fpr die Weiterentwicklung des Kreises Coesfeld wichtig und würde auch zu einer Entlastung der Ortsdurchfahrten im südlichen Kreisgebiet führen. Eine schnelle Realisierung sei daher notwendig.
Doch nicht alle SPD-Kreistagsmitglieder wollten diesem Vorschlag folgen. In der Abstimmung sprach sich auch die Sozialdemokratin Eva Neumann aus Olfen dagegen aus. Dass die Grünen-Vertreter dieser Resolution die Zustimmung versagten, überraschte nicht wirklich. Erstaunt zeigte sich die Mehrheit des Kreistages vielmehr von der Aussage Wilhelm Kortmanns (Bündnis 90/Die Grünen): "Zu einem Topp-Standort gehört auch ein vernünftiger Autobahnanschluss", machte er sich für eine Teil-Verwirklichung der B 474n auf Dattelner Gebiet stark. Die Fortführung im Kreis Coesfeld lehnte er hingegen ab: "Eine Infrastruktur sollte erst dann geschaffen werden, wenn sie gebraucht wird." Auf Nachfrage bestätigte gestern das Büro der SPD-Politikerin Dr. Angelica Schwall-Düren, dass "nur" die Ortsumgehungen gesichert seien - und nicht die komplette Realisierung der B 474n. Im gleichen Sinn informierte am Nachmittag die Landesregierung.
Thomas Aschwer
Quelle: Ruhrnachrichten, Kreisseite Coesfeld, 27. Oktober 2000