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Die Leser Doris und Stefan Bajohr protestieren gegen den Bau der neuen Bundestraße.
Sind die Politiker noch zu retten?
Die Errichtung von Industrie- oder Gewerbebetrieben ist sicherlich wichtig und erforderlich, um Arbeitsplätze zu schaffen und den Strukturwandel durchzuführen. Ob es dazu allerdings nötig ist, gerade die Rieselfelder herzugeben oder ob es nicht ausreicht, neue Betriebe auf den zahlreich vorhandenen Industriebrachen anzusiedeln, vermag ich nicht zu sagen.
Wenn die Rieselfelder dran glauben müssen, so sind sicherlich auch neue Straßen notwendig, um eine vernünftige Anbindung der zukünftig dort tätigen Gewerbe- bzw. Industriebetriebe an Schiene und Autobahn zu gewährleisten. Wo aber sind die Betriebe, die sich dort ansiedeln wollen?
Bislang war nur zu lesen, dass möglicherweise dort ein BMW-Werk aufgebaut werden soll. Hier leben die Politiker offenbar von der Hoffnung auf ein Wunder. Was ist, wenn BMW nicht kommt? Welche anderen Industrie- oder Gewerbebetriebe werden sich dann in den Rieselfeldern niederlassen?
Irgendwelche anderen namhaften Interessenten sind bisher nicht in der Diskussion, wohl auch kaum zu finden, wenn man daran denkt, seit wieviel Monaten das Gewerbegebiet Lukasbrücke brach liegt und angeboten wird wie sauer Bier. Aber Hauptsache, die Politiker haben schon mal - gegen die Interessen der betroffenen Bevölkerung in den Siedlungen Hangel und Klöckner - eine Straße geplant und baulich in Angriff genommen.
Wenn man sich anschaut, welche Politiker am lautesten Hurra schreien und mit dem Finger auf die zurückhaltenden Waltroper zeigen, dann sind es die, die von der B 474n überhaupt nicht betroffen sind, wie Gabriele Sikora und Karl-Heinz Rusche, die sich überhaupt nicht vorstellen können, was es für die Leute im Hangel und in der Klöcknersiedlung bedeutet, mit einer vierspurigen Schnellstraße, die praktisch durch das Wohnzimmer führt, leben zu müssen.
Pausenlos, Tag und Nacht, donnern PKW und LKW über die Straße. Luftverschmutzung, Abgase und der ständige Lärm werden die Bevölkerung zu kranken Menschen werden lassen, wenn nicht langsam Vernunft einkehrt und die Politiker sich Alternativen zu einer vernünftigen Verkehrsanbindung der Rieselfelder einfallen lassen.
Halten die Politiker die Menschen für so dumm, dass diese nicht merken, dass mit der geplanten B 474 n und den erhofften Gewerbebetrieben nur auf Stimmenfang gegangen werden soll? Wenn die Arbeitslosenzahlen tatsächlich sinken sollten, werden sich Sikora, Rusche und wie sie alle heißen mögen, selbst auf die Schulter klopfen und sich ganz toll finden, dabei aber völlig vergessen, dass sie viele Menschen ins Unglück gestürzt haben, viele Menschen durch die stinkenden und lauten Fahrzeuge krank geworden sind.
Mit der geplanten Trasse wird aber ein Problem geschaffen, dass nicht nur die heutige Generation betrifft, sondern auch die nachfolgenden aufgrund des ständig wachsenden Verkehrsaufkommens beschäftigen wird.
Ein letzter Gedanke: Die ins Auge gefasste Trasse soll nach Angaben des Herrn Kettenieß die sein mit den wenigsten rechtlichen Risiken. Ist es nicht gar verwunderlich, dass gerade diese Variante auch die umweltverträglichste sein soll? Es drängt sich doch geradezu die Frage auf, ob nicht die Umweltverträglichkeitsprüfung und die Verkehrserhebung zurechtgebogen worden sind auf den politischen Willen einiger weniger.
Doris und Stefan Bojahr, Im Hangel 40
Quelle: WAZ Waltrop, 27. Oktober 2000