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Bürgermeister Willi Scheffers wusste längst, dass das NRW-Verkehrsministerium keine Alternative zur neuen Variante der B 474n sieht. Scheffers wusste auch, dass die Straße allenfalls etwas weiter vom Ortsrand nach Westen rücken soll.
Verkehrsexperten um Bernd Ketteniß, Verhandlungsleiter aus dem Verkehrsministerium, schenkten dem Bürgermeister beim Treffen im Westfälischen Straßenbauamt Bochum reinen Wein über die Strecke ein, lange bevor sich die Parteien im Rat über die Bundesstraße stritten.
Über die unglaubliche Arroganz des Verkehrsministeriums erregte sich CDU-Kreistagsfraktionsvorsitzender Rolf Lütkenhaus im Stadtrat. Verhandlungsleiter Ketteniß habe den wahren Straßenverlauf nur einer SPD-Runde mitgeteilt. "Unglaublich", zürnte Lütkenhaus. Wusste er da wirklich noch nicht Bescheid?
Rat und Stadt hätten doch offiziell gar keine Kenntnis von der neuen Trasse, hielt auch CDU-Fraktionsvorsitzender Carlo Becker der protestierenden Allianz von SPD, Waltroper Aufbruch und Grüner Liste entgegen. Einen Straßenverlauf, den der Rat nicht kenne, könne er auch nicht ablehnen. War auch Becker wirklich so ahnungslos?
Am 26. Oktober redeten sich die Politiker im Rat die Köpfe über die B 474n heiß. Am 20. Oktober hatte der Mann aus dem Ministerium SPD-Fraktionschef Jürgen Siebert klar gemacht, dass Düsseldorf jene Trasse für die beste hält, die so nah an den Stadtrand rückt.
Doch schon am 16. Oktober schrieb Bürgermeister Scheffers an Wolfgang Plato, den Leiter des Westfälischen Straßenbauamtes. Scheffers bekräftigt, dass die Stadt die B 474n befürwortet, die Variante V3.1 aber kaum die politische Mehrheit finden werde. Der Bürgermeister gab Plato indirekt dieses Einverständnis: Wenn sich aber laut Auskunft der Verkehrsplaner und der Gutachter offensichtlich keine andere als die Variante 3.1 durchsetzen ließe, solle zumindest über eine Trassenverlegung in Richtung Westen nachgedacht werden.
Genau das prüfen die Experten jetzt auch: Modifikationen zur Optimierung der Linie V3.1 im Nordwesten von Waltrop werden untersucht, sagten sie zu und nehmen das Ergebnis fast vorweg: Nach gutachterlicher Einschätzung ist ein maßvolles Abrücken von den Siedlungsbereichen vertretbar.
Laut Protokoll des Bochumer Treffens sind sich die Beteiligten über folgende Linienführung einig: nördliche Weiterführung der A 45, nach Osten abschwenkend in die Variante V3.1; zwischen L 511 und L 609 modifizierte vom Ortsrand Waltrop nach Westen abgerückte Führung.
Norbert Jänecke
Quelle: WAZ Waltrop, 24. November 2000