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Kritik an der Emscher-Lippe-Agentur und der Stadtverwaltung übt die Grüne Liste Waltrop (GLW) nach der Absage von BMW. Die Bewerbung um die Autofabrik sei schlecht vorbereitet gewesen, urteilen die Grünen.
"Sie wurde seitens der Stadt Waltrop, vorsichtig gesagt, unglücklich begleitet und traf keineswegs nur auf Zustimmung in der Bevölkerung", meinen die Ratsherren Martin Hülsmann und Lars Holtkamp, "die landwirtschaftliche Fläche Rieselfeld sollte im Schweinsgalopp zu einem exquisiten Industriestandort aufgemotzt werden".
Es sei nicht eine Woche vergangen, in der nicht irgendwelche Gremien wegen der erhofften Ansiedlung des BMW-Werks getagt hätten. Ständig seien vollkommen widersprüchliche Signale aussendet worden.
Nach der Absage von BMW sollte man nicht in weiteren Aktionismus verfallen, sondern sich eine Denkpause gönnen, fordert Hülsmann. Vor allem die beiden großen Fraktionen von CDU und SPD sollten vielmehr die Zeit nutzen, um mit den Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt gemeinsam die zukünftige Nutzung der Rieselfelder und den Bedarf einer verkehrlichen Anbindung gründlich zu diskutieren.
Doch schon sei von einem neuen Projekt die Rede: dem so genannten New Park, einer Unternehmeroase, die vor den Toren der Stadt entstehen soll. Dieses Projekt der Industrie- und Handelskammer (IHK) sei wegen des damit verbundenen Abbaus von Arbeitnehmerrechten höchst umstritten und so in Deutschland auch nirgendwo realisiert worden.
Wie man es besser machen kann, zeigt die Stadt Dortmund", meint Holtkamp. Die Nachbarstadt habe sich mit einer Fläche beworben, die ehemals von der Ruhrkohle AG genutzt wurde. Diese sei verkehrlich gut erschlossen. "Sie ist die einzige Fläche im Ruhrgebiet, die im Standortauswahlverfahren von BMW noch im Rennen ist", betont der GLW-Ratsherr.
Die Grünen hätten früh darauf hingewiesen, dass die Fläche in Ellinghausen die weitaus besseren Bedingungen als die Rieselfelder bietet und weniger Belastung für Menschen, Umwelt und öffentliche Finanzen mit sich bringt.
"Man kann den Dortmundern nur viel Glück wünschen, weil eine Ansiedlung von BMW in Dortmund gerade auch für Waltrop Arbeitsplätze bringen würde", meint Martin Hülsmann. Waltrop böte sich in nur sechs Kilometern Entfernung zu dem möglichen Werkstandort den BMW-Beschäftigten dann als attraktive Wohnstadt im Grünen geradezu an.
"Regionale Zusammenarbeit heißt nicht, dass alle alles machen müssen", meint Lars Holtkamp. Während sich die einen Standorte für industrielle Ansiedlungen eigneten, sorgten andere mit ihrer Wohnqualität für weiche Standortfaktoren.
nj
Quelle: WAZ Waltrop, 14. November 2000