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Kommentar: Ein Lehrstück 10. November 2000


Knapp und ohne tiefer gehende Begründung hat der Autokonzern BMW das nördliche Ruhrgebiet aus dem Bewerberkreis für das neue Werk heraus komplimentiert.

Nur zwei Blätter Papier - jedoch schwand mit ihnen alle Hoffnung auf neue, zukunftsfähige Arbeitsplätze in einer vom Stellenabbau gezeichneten Gegend. Was hätte diese Milliarden-Investition hier an Schub leisten können!

Industrielle Ansiedlungen solchen Kalibers wirken wie ein Magnet. Sie ziehen weitere Betriebe nach sich. Vor allem mittelständische, die in dieser Region dringend benötigt werden. Dass ein Unternehmen wie BMW zudem ein Glanzpunkt für Image-Verbesserung wäre, dürfte jedem einleuchtend sein.

Doch das "Projekt BMW" ist leider gescheitert: Es wirkt wie ein Lehrstück für verfehlte, aber übliche Ansiedlungspolitik im Revier. Datteln und Waltrop treten gemeinsam an, sind sich aber nicht einig. Auch Hamm sieht seine Chancen, und auch Dortmund.

Und so war es immer wieder: Viele traten an, um am Ende alle leer auszugehen. Lehren wurden daraus kaum gezogen. Darf dies bei der weit über dem Bundesdurchschnitt liegenden Arbeitslosigkeit auf Dauer so bleiben?

Es bringt das Revier nicht weiter, Organisationen mit feinen Namen zu haben - Projekt Ruhr GmbH, Kommunalverband oder Emscher-Lippe-Agentur beispielsweise - die sich redlich bemühen, neue Jobs herzuholen, aber wegen begrenzter Kompetenzen zu wenig ausrichten können.

Es bringt das Revier nicht weiter, wenn - wie bei der NRW-Verwaltungsreform - mehr politische Kräfte zur Verteidigung überholter Strukturen aufgebracht wird als zur Entwicklung neuer Ideen.

Doch die Region hat kaum Anlass zum lamentieren. Wer Dinge bewegen will, muss den Mut zur Geschlossenheit haben. Der Schlüssel dazu liegt nicht in Düsseldorf; er liegt im Revier.

Rolf Potthoff


Quelle: WAZ, Seite 2, 10. November 2000