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Die Region rätselt über die Gründe der BMW-Absage. Auf einer Pressekonferenz gestern im Dattelner Rathaus konnten die Akteure nur Vermutungen anstellen. Die noch nicht realisierte Straßenanbindung (B 474n) wurde ebenso genannt wie das fehlende Planungsrecht für den Industriepark Lippetal. Spielte auch das Tauziehen zwischen Datteln und Waltrop um den Rieselfeld-Zweckverband eine Rolle für BMW?
Offiziell wollten die Bürgermeister Wolfgang Werner (Datteln) und Willi Scheffers (Waltrop) sowie der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Emscher-Lippe-Agentur (ELA), Karl-F. Schulte-Uebbing dazu keine Stellung beziehen. Wie unsere Zeitung erfuhr, ist das Waltroper Nein zum Zweckverband in der Münchener BMW-Zentrale sehr wohl aufmerksam registriert worden. Das war jedenfalls der Tenor eines Telefonats, das am Mittwoch zwischen der ELA und dem Automobilkonzern geführt wurde.
Trotz der Pleite mit BMW wollen die beteiligten Städte, die VEW-Immobiliengesellschaft (der das Gelände gehört) und die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Emscher-Lippe-Agentur die Entwicklung des Industrieparks Lippetal vorantreiben. Das ist die Botschaft der gestrigen Pressekonferenz.
Waltrops Bürgermeister Scheffers (CDU) musste allerdings einräumen, dass er für die Position in seiner Stadt "noch keine politische Rückendeckung" hat. "Ich appelliere, die Industrialiserung der Rieselfelder nicht fallen zu lassen", sagte er.
"Wir brauchen in der Region Industrieflächen", betonte der stellvertretende ELA-Aufsichtsratsvorsitzende Schulte-Uebbing, der auch Chef der Gelsenkirchener Industrie- und Handelskammer (IHK) ist. Die Kammer hat das Rieselfeld als Standort für den "newPark" ins Gespräch gebracht. Bei der Umsetzung des Vorhabens (mit innovativen Steuer-, Finanzierungs- und Beschäftigungsmodellen sollen internationale Investoren geworben werden) erwartet die IHK die Unterstützung der beiden Kommunen.
Doch Waltrops Haltung ist zurzeit ablehnend. Die Stadt will keine kleinteilige Ansiedlungen im Rieselfeld. IHK-Chef Schulte-Uebbing sieht im "newPark" hingegen "eine große Industrieansiedlung, die in verschiedene Bereiche aufgeteilt wird." Am 14. November wird Schulte-Uebbing die "newPark"-Idee dem Dattelner Rat vorstellen, in Waltrop konnte dafür bislang kein Termin vereinbart werden.
Wolfgang Werner, parteiloser Bürgermeister Dattelns, drückte gestern die Hoffnung aus, dass eine gemeinsame Linie mit der Nachbarstadt auch in dieser Frage gefunden wird. Zudem drängen die Dattelner noch immer auf die Gründung eines Zweckverbandes, der die Industrialisierung im Rieselfeld vorantreiben soll.
Die Zeit drängt. Denn ab 2006 gibt es bekanntlich keine Fördermittel mehr aus dem Ziel-2-Topf der Europäischen Union.
Michael Wallkötter
Quelle: Recklinghäuser Zeitung, Kreisseite, 10. November 2000