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Die Spekulationen haben ein Ende: Die Rieselfelder sind als Standort für ein BMW-Werk aus dem Rennen. Der bayerische Automobilhersteller hat seine für den Spätherbst angekündigte Vorentscheidung getroffen - und Waltrop eine Absage erteilt.
Die Fraktionen wurden gestern aus dem Rathaus über die Entscheidung informiert. Der abschlägige Bescheid aus München ist nach Auskunft von BMW-Wirtschaftspressesprecher Hubert Bergmann in dieser Woche nicht nur ins Ostvest verschickt worden, sondern sei auch an andere in Frage kommende Interessenten gegangen. Nach Abschluss der Erhebungsphase sei man bei BMW jetzt in die Phase der Bewertung der Standorte eingetreten. Dabei sei die Expertenguppe von BMW zu der Entscheidung gekommen, dass "dieser oder jene Standort" nicht weiter verfolgt werde. Man wolle Interessenten möglichst frühzeitig über Absagen informieren, um nicht "andere Alternativen" für diese Standorte zu verhindern.
SPD-Fraktionsvorsitzender Jürgen Siebert gab die Neuigjkeit gestern Abend beim Besuch von NRW-Arbeitsminister Harald Schartau im Käthe-Engelhaupt-Zentrum an die Mitglieder weiter. "Für Waltrop wird es kein BMW geben. Das haben wir zu akzeptieren", so Siebert, der auf einen persönlichen Kommentar verzichtete.
Der Minister war enttäuscht über die Entscheidung der Bayern: "Ich hoffe aber, dass es dennoch mit der Arbeitsplatzentwicklung in der Region positiv weitergeht."
SPD-Ratsherr Norbert Frey bedauerte bei unserer Anfrage die Absage ebenfalls, betonte aber: "Ich sehe keinen Zusammenhang mit den örtlichen Bedingungen und der Auseinandersetzung um den Interkommunalen Zweckverband, auch wenn die CDU uns jetzt sicherlich die Schuld geben wird. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser kleine örtlichen Streit bei der BMW-Entscheidung zum Tragen gekommen ist.
"Schade, ich halte das Fähnlein der Hoffnung immer in den Wind", kommentierte der FDP-Fraktionsvorsitzende Dr. Jens Jordan die Neuigkeit. Das heißt für ihn allerdings auch, jetzt nicht nachzulassen und auf dem eingeschlagenen Weg zu einer Industrialisierung der Rieselfelder weiterzumachen. "Wir müssen zum Zeitpunkt X - möglicherweise in den nächsten fünf Jahren - durch die verkehrliche Entwicklung und einen entsprechenden Flächennutzungsplan besser auf eine ähnliche Offerte vorbereitet sein."
WA-Ratsfrau Dorothee Schomberg zeigte sich nicht sonderlich überrascht: "Ich habe nichts anderes erwartet und glaube, dass BMW in Bayern bleiben wird." Ein Überdenken des Interkommunalen Zweckverbands zur Industrialisierung der Rieselfelder hält sie jetzt erst recht für angebracht. "Die Nichtgründung des Zweckverbandes hat sicherlich nichts mit der Entscheidung zu tun, eher die ungünstigen Standortfaktoren", sagte Schomberg.
Für den GLW-Fraktionsvorsitzenden Karl-Heinz Grüder war schon lange klar, dass das Thema BMW für Waltrop gegessen war, "auch wenn Herr Fröhlich von der ELA noch versucht hat, anderes glauben zu machen." Die GLW habe auf jeden Fall immer eine klare Linie gefahren. "Das Kasperle-Theater hier war für uns zwar belustigend, aber für Investoren in unserer Region eher abstoßend", so Grüder.
Von Bürgermeister Willi Scheffers und dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Carlo becker war gestern Abend kein Kommentar zu bekommen. Eine gemeinsame Pressekonferenz der Emscher-Lippe-Agentur mit den Bürgermeistern aus Waltrop und Datteln soll heute im Dattelner Rathaus stattfinden.
-metz/mdi/per/marp
Quelle: Waltroper Zeitung, 9. November 2000