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B474N.DE > Presse > Jahr 1998 >
Ist die neue Bundesstraße überflüssig? 21. Mai 1998


Olfen.  Der Bau der B 474n, einer neuen Bundesstraße, die von der Autobahn A 2 an Datteln, Waltrop und Olfen vorbei nach Dülmen führt, nimmt immer konkretere Formen an. Der ungefähre Verlauf der Trasse steht bereits fest. Am 18. Juni steht der Beschluß über die neue Straße im Olfener Stadtrat an. Doch auch die Gegner des Projekts haben sich bereits formiert.

In Olfen haben sich etwa 15 Bürger zur Bürgerinitiative gegen der Bau der B 474n zusammengeschlossen. Auch in Datteln/Waltrop und in Dülmen gibt es Initiatven gegen den Bau der neuer Straße.

Die Diskussionen um den Bau der neuen Bundesstraße reichen bis in die 60er Jahre zurück. Doch zunächst war nur der Bau einer Umgehungsstraße geplant, die dem permanenten Verkehrchaos in Datteln und Waltrop endlich ein Ende bereiten sollte. Die Notwendigkeit einerr solchen Umgehungsstraße wurde und wird von niemandem ernsthaft bestritten. Zum Bau fehlte jedoch in der Vergangenheit das notwendige Kleingeld. Einen willkommenen Ausweg bot da der Bau einer Bundesstraße, die, wie der Name schon sagt, vom Bund bezahlt werden muß. Nur läßt sich eine ganz normale Umgehungsstraße leider nicht als Bundesstraße deklarieren; denn letztere muß schon etwas länger sein und vor allem auch überregionalen Verkehr aufnehmen. Also wurde das Projekt B 474n aus der Taufe gehoben. Eine zusätzliche Anbindung der A 2 an Dülmen, damit auch an die A 43 und an die B 67n, die weiter nach Borken, Bocholt und zur A 3 führt.

Eine neue Fernverbindung, für die zumindest nach Ansicht der Gegner des Projektes überhaupt kein Bedarf besteht. "Durch die neue Bundesstraße wird der Verkehr erst produziert", meint Bert Baesgen, ein Sprecher der Olfener Bürgerinitiative gegen den Ausbau der B 474n . Bei einer eigenen Verkehrszählung vor vier Jahren die Mitglieder der Olfener Bürgerinitiative im betreffenden Gebiet ein Verkehrsaufkommen von rund 2.500 Fahrzeugen pro Tag. Auf der neuen Fernstraße sollen dagegen täglich rund 14.000 Autos rollen.

"Das übertrifft bei weitem unsere schlimmsten Befürchtungen, was die Heranführung überregionalen Verkehrs angeht", erklart Bert Baesgen die Bedenken der Ausbaugegner. "Bei größeren Staus etwa schon im Duisburger Bereich werden insbesondere die vielen niederländischen LKW die weiträumige Trasse B 67n/B 474n wählen. Angesichts der Nähe zum Eckernkamp (ca. 950 m) und zum gesamten westlichen Olfener Stadtgebiet (ca. 1200 m) muß deshalb auf Grund der Westwindlage mit enormen Lärmbelästigungen gerechnet werden." Die ökologischen Folgen, so Baesgen, reichen jedoch noch weiter: "Von der neuen Trasse würden zwischen Olfen und Dülmen einige ökologisch wertvolle Flachen zerschnitten, beispielsweise die Steveraue."

Die Mitglieder der Bürgerinitiative halten deshalb die neue Trasse nicht nur für überflüssig, sondern für umweltschädlich. Bert Baesgen ist jedoch optimistisch, daß es gelingt, das Projekt auf politischem Wege zu stoppen. Es sei keinesfalls sicher, daß sich der Olfener Stadtrat bei seiner Sitzung am 18. Juni mehrheitlich für den Bau der neuen Straße entscheide. Außerdem hoffen die Olfener Straßengegner auf einen Machtwechsel in Bonn, denn dann könnte das Projekt B 474n bei der nächsten Revision des Bundesverkehrswegeplanes möglicherweise völlig neu bewertet werden. Sollte sich auf politischem Wege nichts erreichen lassen, soll geklagt werden. Einige Bauern, durch deren Grundbesitz die neue Trasse führen würde, sehen sich nämlich durch das Pro1ekt in ihrer Existenz bedroht und wollen deshalb vor Gericht ziehen.  Hendrik Thielemann


Quelle: Kreis-Kurier, 21. Mai 1998