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B 474n: Die Planung geht jetzt in die nächste Runde 23. Juni 1994


DATTELN.  Die Planungen für die B 474n gehen in die nächste Runde. Beim Landschaftsverband in Münster wurden bereits die Vorbereitungen für das weitere Vorgehen getroffen. Ais erster Schritt wird eine Umweltverträglichkeitsstudie (UVS) eingeleitet.

Vertreter des Verkehrsministeriums aus Düsseldorf, des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe und des Straßenneubauamtes Recklinghausen trafen sich in Münster zur ersten Abstimmung über die gemeinsame Arbeit. Zunächst wurden die Eckdaten für die UVS festgelegt. Orientierungspunkt ist dabei das Urteil des Oberverwaltungsgerichtes (OVG) Münster, das den Planfeststellungsbeschluß für die B 474n am 19. Januar kippte. Das Urteil ist mittlerweile rechtskräftig.

Die Richter beklagten in der Urteilsbegrundung vor allem die Mangel der Planung im Bereich des Umweltschutzes. Die Planer konnten nicht nachweisen, warum gerade die gewählte Trassenführung notwendig sei. Der Bau der Straße würde wertvolle Landschaftsteile zerschneiden, Erholungsgebiete und Lebensraum von Pflanzen und Tieren zerstören. "Der Kern des Urteils lautet doch, daß eine umweltverträglichkeitsstudie notwendig ist", erklärte gestern Michael Gaedtke, Pressesprecher des Landesministeriums für Stadtentwicklung und Verkehr. Und das werde jetzt gemacht. Einschließlich Vor- und Nachbereitung müßte für diese Arbeit ein Zeitraum von eineinhalb Jahren veranschlagt werden.

Gaedtke: "Die Studie muß sich über eine komplette Vegetationsperiode erstrecken." Das Gerichtsurteil habe noch einmal belegt, daß solche Arbeiten sehr sorgfältig gemacht werden müßten.

Das Ergebnis der Umweltverträglichkeitsstudie wird über das weitere Vorgehen entscheiden. Entweder es gibt eine Bestätigung der bisher favorisierten Trasse, oder aber die Planer müssen sich eine neue Straßenführung überlegen. Am Ende könnte auch das ganze Projekt B 474n gekippt werden, wenn die Umwelträglichkeitsstudie die Planer erheblich einschränken sollte. Wie das Ergebnis am Ende auch aussehen wird: Wird die Straße weiterhin gewollt, ist ein komplett neues Planfeststellungsverfahren notwendig. Es gibt Einspruchsmöglichkeiten, Anhörungstermine und vielleicht erneut Gerichtsurteile. Gaedtke: "Zeigt die Umweltverträglichkeitsstudie, daß die bisherige Trassenführung die günstigste Planung ist, können natürlich viele Unterlagung aus dem alten Planverfahren genutzt werden." Das würde die Dauer des Vefahrens verkürzen.

Grundlage für die alte Trasse war noch der Bau einer vierspurigen Straße, die später auf zwei Spuren verkleinert wurde. Mit einer zweispurigen Straße seien, so der Pressesprecher, jetzt allerdings andere Kurvenführungen möglich. "Nur jetzt sollte nicht spekuliert werden", meint Gaedtke. "Wir müssen erst einmal die Umweltverträglichkeitsstudie abwarten." Auf jeden Fall wird das Verfahren noch einige Jahre dauern.  -berg


Quelle: Dattelner Morgenpost, 23. Juni 1994