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B474N.DE > Presse > Jahr 1994 >
Industrialisierung der Rieselfelder ist "gestorben" 21. Januar 1994


DATTELN.  Damit ist die Industrialisierung der Rieseifelder gestorben"! So wurde gestern - sinngemäß - das folgenschwere Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster interpretiert, nach dem die Verlaagerung der Sauerlandlinie (B 474n) nicht gebaut werden darf.

Die Verlängerung der Sauerlandlinie war für die kommunalpolitisch Verantwortlichen nicht nur die autobahnähnliche Anbindung des Münsterlands an das Ruhrgebiet in Waltrop und Datteln wurde das Projekt auch als Erschließungsstraße gesehen, über die mögliche großindustrielle Vorhaben das Rieselfeld erreichen.

Über andere Erschließungswege wollten sich gestern die befragten Kommunalpolitiker keine Gedanken machen. Vielmehr betrachteten die Verantwortlichen mit dem Urteil die Rieselfelder als abgehakt. Zumindest vorläufig. Sie gingen sogar noch weiter und sehen durch der Richterspruch den gesamten Landesentwicklungsplan VI in Frage gestellt. Dieser LEP VI definiert die Flächen für großindustrielle Ansiedlungsmöglichkeiten im gesamten Bundesland NRW.

Gegen das Gerichtsurteil ist kein Einspruch möglich. Möglich ist aber, nd das wird im Düsseldorfer Verkehrsministerium entschieden, das ganze Verfahren neu aufzulegen. Bisher sind in diesem Verfahren fast 20 Jahre ins Land gegangen, von der ersten Entscheidung für den Straßenbau bis zum Urteil in Münster. Ganz so lange wird eine Neuauflage nicht dauern, aber einige Jahre sicherlich.

Bis dahin ist vermutlich Ruhe. Das in Münster gefällte Urteil bezieht sich zwar nicht auf das gesamte Projekt der B 474n, sondern nur auf den ersten Teilbereich zwischen Dortmund-Mengede und Münsterstraße. Laut Bedarfsplan für die Bundesfernstraßen besteht die gesamte Trasse aus acht Teilstücken. Nach derzeitigem Stand der Dinge ist aber nicht anzunehmen, daß die Verfahren für die sieben verbliebenen Teilstücke weiterlaufen, als wäre nichts geschehen. Im Moment kann man nur vermuten, daß die sieben "Reststücke" zurückgestellt werden, bis das Genehmigungsverfahren für den ersten Teil neu aufgerollt ist. Das dauert, wie gesagt, Jahre.  pesch


Quelle: Dattelner Morgenpost, 21. Januar 1994