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"Krasses Fehlurteil am Allgemeinwohl vorbei" 21. Januar 1994


Enttäuschung bei den Befürwortern der B 474n, Freude bei den Gegnern des Projekts, kennzeichneten gestern am Tag nach der Entscheidung des OVG zum Bau der B 474n unter den Lokalpolitikern die Stimmunslage.

Hart geht der SPD-Fraktionsvorsitzende Gunter Ritter mit dem Richterspruch ins Gerichü. "Ein krasses Fehlurteil am Wohl der Allgemeinheit vorbei", sagte Ritter. Mit dem Baustopp-Urteil habe sich auch die Industrialisierung der Rieselfelder erledigt: "Wir können den Leuten ein zusätzliches Verkehrsaufkommen nicht zumuten."

Der Straßenbau sei Grundlage für eine Weiterentwicklung des Landesentwicklungsplanes gewesen. Im Hinblick auf die Belastung der Leveringhäuser Straße müsse die Verkehrsentwicklungsplanung völlig neu überdacht werden. Ritter: "Wir müssen nach Auswegen suchen, obwohl die Chancen gering sein dürften."

Eub wenig hoffnungsvoller beurteilt Bürgermeister Jochen Münzner die Situation. "Bei uns entscheiden Gerichte, in der letzten Instanz". Auch er sieht "erhebliche Auswirkungen auf die Stadt" zukommen, will sich allerdings noch nicht festlegen, inwieweit eine industrielle Nutzung der Rieselfelder betroffen ist.

Als "völlig unverständlich" wertet der CDU-Fraktionsvorsitzende Rolf Lütkenhaus die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts. Der Richterspruch sei "ein Schlag ins Gesicht der Stadt Waltrop, die sich stets im Interesse der Entlastung der Anlieger an der Leveringhäuser Straße für die B 474n apsgesprochen hat", sagte der Fraktionsvorsitzende. Auch er sieht nun die Industrialisierung der Rieselfelder in Frage gestellt.

Bestätigt in ihren Auffassungen sehen sich GLW-Vorsitzender Karl-Heinz Grüder und sein Fraktionschef Stefan Nicke. "Ich hab's mir immer gewünscht, aber kaum vorstellen können", sagte Grüder, für den durch den Baustopp der B 474n auch die Industrialisierung der Rieselfelder "in weite Ferne gerückt" ist.

Traurig sei nur, daß bereits mit dem Brückenbau begonnen wurde und "damit Steuergelder verschwendet worden sind".  wry


Quelle: WAZ Waltrop, 21. Januar 1994