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Wer will eigentlich die B 474n? Ich nicht!
Ganz groß steht es auf der ersten Lokalseite meiner Tageszeitung: Die B 474n um Waltrop herum muß gebaut werden, weil den Anwohnern der vielbefahrenen Leveringhäuser/Münsterstraße (Waltrop Teil der L 609) "Lärm, Schmutz und Risiken kaum mehr zumutbar seien" (WAZ, 9. März 1991). Und wie zum Beweis, daß er die offenbar lauthals vorgetragenen Beschwerden der gebeutelten Anwohnerschaft auch ernst nimmt und sogar verstanden hat, läßt der gestreßte Landesverkehrsminister Kniola bei einem Abschlußgespräch zu diesem Thema im Rathaus ostentativ die Fenster schließen - wegen des Straßenlärms.
Mein Arbeitsfenster liegt gerade einmal halb so weit wie die Rathausfront von der Münsterstraße entfernt, und obwohl ich ein umweltbewußter und gegen überflüssigen Lärm sehr empfindlicher Mensch bin, habe ich meine Fenster so gut wie noch nie wegen des Verkehrslärms schließen müssen! (Natürlich hätte ich es gern etwas leiser, aber anderseits war es früher auf der Hochstraße noch lauter!)
Und was die vielzitierte Überlastung der besagten Straße betrifft: Ich benutze sie fünf- bis sechsmal pro Woche in beiden Richtungen und komme trotz gelegentlicher kleiner Staus immer "gut durch". Natürlich haben die Anwohner unter dem Verkehr auf der L 609 zu leiden. Doch allein in Dortmund gibt es Hunderte von Straßen, deren Anwohner mit Sicherheit schlimmer vom Straßenverkehr betroffen sind. Und im Lande NRW gibt es Tausende solcher Straßen.
Wenn man also den Leidensdruck der Betroffenen (zu denen ich ja auch gehöre!) objektiv einzustufen versuchte, müßte man ehrlicherweise mehr von einer Befindlichkeitsstörung denn von einer einer massiven Beeinträchtigung sprechen. Um so verwunderlicher ist es, daß die Ratsfraktionen der drei etablierten Parteien die "Betroffenheit" dieser Menschen pausenlos zum Anlaß nehmen, rigoros den Bau der B 474n zu fordern. In welcher Kommune werden schon Millionen ausgegeben, nur um Befindlichkeitsstörungen ihrer Bewohner zu kurieren?
Man kann es drehen und wenden wie man will: Gebaut werden soll die Straße, um den Schwerlastverkehr von und zu den schon oder noch nicht ausgewiesenen Industriegebieten in Datteln und in den Waltroper Rieselfeldern zu gewährleisten!
Wer fragt eigentlich mich, ob ich überhaupt mit einer Industrieansiedlung in den Rieselfeldern und ihre verkehrstechnische Anbindung durch die B 474n einverstanden bin? Wenn ich nicht in einer Wohnstadt, sondern in einer Industriestadt leben wollte, dann könnte ich ja gleich nach Datteln ziehen. Weil ich aber in Waltrop wohnen und leben möchte, bin ich gegen den Bau der B 474n.
Fiele diese überflüssige Straße endgültig weg, würden keine ökologische zusammengehörigen Landschaften im großartigen Grüngürtel um Waltrop zerschnitten; dort, wo die geplante Trasse dann nicht verliefe, könnten Wälder und Felder mit zahlreichen seltenen Arten der Roten Liste weiterexistieren! Mit den vielen Millionen, die man mit dem Verzicht einsparen würde, könnte man auf der L 609 sinnvolle Maßnahmen zur Verkehrverbesserung durchführen und endlich den öffentlichen Personennahverkehr in Waltrop fördern. Vielleicht könnte man einen Teil des Geldes auch in die neuen Bundesländer überführen. Denn wenn heute überhaupt noch neue Straßen gebaut werden müssen, dann sicher dort. Hier sind die meist überflüssig. Die B 474n ist es ganz sicher. (gekürzt).
Winfried Wisniewski
Meisenweg 13
(Mitglied der Landschaftswacht beim Kreis Recklinghausen)
Quelle: WAZ Waltrop, 12. März 1991