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B474N.DE > Presse > Jahr 1990 >
Widerstand gegen die B 474 n formiert sich 11. August 1990


Datteln.  Der Widerstand gegen den zweiten Abschnitt des Baus der B 474n über Dattelner Gebiet formiert sich langsam. Während Hermann Mühlenbrock, in der Stadtverwaltung zuständiger "Hüter" für die Unterlagen der Straße und Ansprechpartner für die Bürgerinnen und Bürger, die im Rahmen der öffentlichen Planauslegung Fragen zu den Unterlagen haben, in den ersten Tagen oft zustimmende Kommentare pro Straßenbau vernehmen konnte, ist dies vermutlich die "Ruhe vor dem Sturm".

Gleich zwei Einwender meldeten sich gestern in unserer Redaktion. Besonders ist hier die Aktionsgemeinschaft gegen den Bau der B 474n zu nennen, die bereits für den ersten Teilabschnitt über Waltroper Gebiet massiv gegen das Vorhaben eingeschritten ist und dies auch für das Dattelner Teilstück vorhat. Sprecher dieser Initiative, die 1985 ins Leben gerufen von dem BUND-Kreisverband, dem DBV-Kreisverband, dem Sauerländischen Gebirgsverein, dem Natur und Vogelschutzverein Haltern, der Bürgeraktion Landwirte Datteln-Waltrop, dem Fischereiverein Datteln, sowie den Grünen in Castrop, Waltrop, Datteln, Haltern und Dülmen unterstützt wird, ist Reinhard Pennekamp. Der engagierte Naturschützer erläuterte im Gespräch mit unserer Zeitung die Motive der Aktionsgemeinschaft, die in Form von Infoständen in der Fußgängerzone gekoppelt mit Unterschriftensammlungen ihren Protest gegen den Bau der B 474n zum Ausdruck bringen möchte und auch in den nächsten Tagen offiziell einen Einwand gegen die Straße im Rathaus abgeben wird.

Nach Ansicht Pennekamps ist der Straßenbau nicht gerechtfertigt, da es nicht zu einer Entlastung der von der Stadt prognostizierten 40 Prozent kommen werde. "In einer Verkehrszählung 1985 hatte die Aktionsgemeinschaft einen Anteil des Durchgangsverkehrs in Datteln von etwa 20 Prozent ermittelt. "Eine Entlastung um 20 Prozent - wenn diese Zahl überhaupt erreicht wird - wird aber kaum spürbar sein." Die Aktionsgemeinschaft hält dagegen eine Umgehungsstraße näher an Datteln gelegen über das ehemalige Zechengelände auf den Südring für wesentlich effektiver. Als weitere Argumentationsschwerpunkte nannte Pennekamp die Eingriffe in die Natur, die Belastung der betroffenen Naherholungsgebiete, Campingplätze, Sportstätten der TG Datteln und des TV Datteln. Die hochgelegene Straße würde ferner bei bestimmten Windrichtungen durch Lärm und Abgase die Höttingsiedlung belasten.

Als zweiter Einwender meldete sich Knuth Henke von der Fraktion der Grünen in Datteln zu Wort. Er ist der Meinung, daß "über 30000 Einsprüche gegen die B 474n erhoben werden müßten. Jede(r) in Datteln ist betroffen, wenn die gewiß vorhandenen Probleme der Verkehrsführung auf der Castroper nicht gelöst, sondern in ein wichtiges Naherholungsgebiet verlagert werden." Auch er hegt Zweifel an dem Wert vom 40 Prozent Verkehrsentlastung durch die neue Straße. "Dazu fahren wir alle, davon möchte ich mich nicht ausschließen, zu viel mit dem Auto. Aber solange solche Summen in solche Straßenbaumaßnahmen gesteckt werden, statt den öffentlichen Nahverkehr zu fördern, wird sich daran wohl nichts ändern", so Henke in einem Schreiben.  uw


Quelle: Dattelner Morgenpost, 11. August 1990