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B474N.DE > Presse > Jahr 1989 >
Schelte für Waltrop zum Auftakt des Erörterungstermins "B 474n" 4. Januar 1989


DATTELN.  Schweres Geschütz fuhr Alfons Schulte-Sienbeck, Beauftragter der Aktionsgemeinschaft gegen den Bau der B 474n, gestern gleich zum Beginn des Erörterungstermins in der Waltroper Stadthalle auf. "Es war eine Unverschämtheit der Waltroper Verwaltung, die Bekanntmachung des Termins für diese Erörterung erst so spät zu veröffentlichen", erklärte Schulte-Sienbeck. "Dies ist keine Art und Weise." Unterstützung erfuhr Sienbeck in dieser Angelegenheit vom Verhandlungsleiter Heiko Michael Kosow vom Regierungspräsidenten, der meinte, "die Angelegenheit ist nicht gut gelaufen". Er habe den Termin am 28. November an die Stadtverwaltung abgeschickt. Warum es so lange bis zur Veröffentlichung dauerte, sei ihm schleierhaft und auch für ihn im hohen Maße unbefriedigend. Zu dem Vorwurf, warum die Erörterung ausgerechnet in die Ferien gelegt worden sei, meinte Kosow: "Da 5000 Einwendungen vorliegen und ich mit zehn Prozent Anwesenden gerechnet habe, schien die Stadthalle als Erörterungsort geeignet, und die war für einen längeren Zeitraum nur jetzt zu bekommen."

Das erste Wort hatten gestern die Vertreter der Straßenbaubehörde, in diesem Fall der Landschaftsverband Westfalen-Lippe, mit dem leitenden Landesbaudirektor Wolfram Fieweger. Die Planer stellten noch einmal die Notwendigkeit der zweispurigen Straße heraus. Durch die B 474n würden vor allem die Ortsdurchfahrten der Städte Datteln (40 Prozent weniger Fahrzeuge) und Waltrop (rund 54 Prozent weniger Fahrzeuge) entlastet. Die derzeit bestehenden Zustände seien unzumutbar für die Anwohner vor allem der Castroper Straße in Datteln und der Leveringhäuser Straße in Waltrop.

Die Zählungen der Aktionsgemeinschaft ergaben übrigens ganz andere Zahlen. Danach ist der Entlastungseffelst erheblich geringer und beträgt durschnittlich nur 20 Prozent (acht bis 32 Prozent je nach Straße). Zudem sei nur ein geringer Teil des Verkehrs auch Durchgangsverkehr. Nach Ansicht der Straßengegner bringt die B 474n keine Entlastung für Datteln.

Die von Kosow erwarteten 500 Straßengegner waren gestern nicht gekommen. Rund 60 Bürger trugen sich in die Teilnehmerlisten ein, als der Termin um 10 Uhr eröffnet wurde. Allerdings kamen gestern zunächst nur die Träger öffentlicher Belange zur Sprache. Erst am späten Nachmittag wurde über die Argumente privater Einwender verhandelt.

Die Untere Landschaftsbehörde bemängelte, daß der Datteln-Hamm-Kanal im Bereich der neu zu bauenden Brücke verspundet werden soll. Diese bestehende Vereinbarung zwischen Wasserstraßen-Neubauamt und der Straßenbaubehörde soll, so der Antrag der Kreisvertreter, im Rahmen der Planungen für die Verbreiterung des Kanals (ein naturnaher Ausbau ist vorgesehen) geändert werden. Dies bedeutet Böschungsbauweise auch unterhalb der Brücke. Die Straßenbaubehörde bestand aber darauf, daß der Spundwandausbau wesentlich wirtschaftlicher sei.

Wohin mit dem Oberflächenwasser, das von der neuen Straße kommt? Dies war die nächste Frage. Bevor keine Pläne für die vorgesehende Renaturierung des Herdicks- und Groppenbachs in Waltrop vorliegen, hält es die Straßenbaubehörde nicht für notwendig, Regenrückhaltebecken, die auch als Schmutzfänger dienen, im Bereich dieser Bäche anzulegen, und hat sie daher in den Planungen auch nicht berücsichtigt. Fieweger: "Dabei handelte sich sowieso um Schmutzgewässer". Dies bedeutet, daß das Wasser zunächst direkt in die Bäche fließen wird. Ausnahme ist der Reinwasserbach "Deinebach", in den das Schmutzwasser nicht direkt geleitet werden darf. Die Baubehörde erklärte sich aber bereit, sofort ein Ergänzungsverfahren einzuleiten, falls Pläne für eine Renaturierung Herdicks- und Groppenbach vorliegen und somit Rückhaltebecken notwendig werden.

Ausgeräumt hat die Baubehörde auch die Einwendungen der Städte Datteln, Castrop-Rauxel und Waltrop sowie der Stadt Dortmund. Hier trat zunächst Verwirrung auf, da der Dattelner Grüne Paul Jömann betonte, der technisehe Beigeordnete der Kananalstadt habe in einer Ratssitzung erklärt, die Stadt Dortmund sei von einer positiven Einschätzung der B 474n abgegangen. Vorgelegt wurde eine entsprechende Sitzungsvorlage. Der Vertreter der Stadtverwaltung Datteln erklärte draufhin, dan diese Aussage bereits im Gesprach mit der Straßenbaubehörde richtiggestellt worden sei. Der Vertreter der Stadt Dortmund: "Die ganze Sache scheint ein Mißverständnis zu sein." Der Landschaftsbeirat habe einmal in Datteln diese negative Meinung zur Straße geäußert, nicht die Stadt Dortmund.

Die Kreisstelle der Landwirtschaftskammer Münster drängte gestern darauf, die von der Baubehörde zusätzlich erworbenen Ausgleichsflächen für eine landwirtschaftliche Nutzung bereitzustellen. Gehe dies nicht, müßte der Landschaftsverband weitere Flächen ankaufen und den durch die Straße geschädigten Landwirten als Acker- oder Wiesenfläche zur Verfügung stellen.  -berg


Quelle: Dattelner Morgenpost, 4. Januar 1989