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B474N.DE > Presse > Jahr 1985 >
Landwirte lehnen B 474n klipp und klar ab 27. August 1985


Lüdinghausen/Seppenrade (est).  Gegen den Bau der Bundesstraße 474n sprach sich erneut eindeutig und unmißverständlich der landwirtschaftliche Ortsverein Seppenrade aus. Die derzeit in Planung und Diskussion befindlichen Modelle der Trassenführung lehnen die direkt und indirekt betroffenen Grundbesitzer einhellig ab. Zur Durchsetzung ihrer Anliegen wählte der Ortsverein am Sonntag unter Leitung von Alfons Roerkohl acht Mitglieder aus ihrer Mitte, die sich gemeinsam mit Vertretern des landwirtschaftlichen Ortsvereins Olfen und dem Kreisverband zur Landwirtschaftlichen Interessengemeinschasft binnen zwei Wochen konstituieren wollen.

Etwa 40 Mitglieder waren der Einladung des Ortsvereinsvorstandes zu dieser Versammlung mit dem brisanten Tagesordnungspunkt in "Naundrups Hof" gefolgt. Nach Roerkohls Begrüßung gaben zunächst die CDU-Stadtratsfraktionsmitglieder Heinrich Dammann und Josef Sibbel ihre Stellungnahmen ab. Danach lehnt die CDU-Fraktion die derzeit geplante, diagonal Seppenrade zerschneidende Trassenführung ab (die LZ berichtete), hält den Bau einer neuen B 474 jedoch für infrastrukturell erforderlich. Das Landestraßenneubauamt in Recklinghausen habe jedoch vom Land den Auftrag, bis Oktober nach Alternativen hinsichtlich der Trassenführung östlich wie westlich der bisherigen Planung durch Olfen und Seppenrade zu suchen.

Die Mehrheit der Versammelten sieht darin nur ein Zuspielen des "schwarzen Peters vom einen zum anderen". Herbe Kritik mußte sich Sibbel nach seiner Äußerung "Ihr wollt die Straße also ganz ablehnen?" gefallen lassen. Einige Versammlungsteilnehmer befürworten zwar, die Durchsetzung der Interessen der Bauern auch durch die Politik zu suchen, doch seien sie "in dieser Angelegenheit durch die Grünen besser vertreten als durch CDU und SPD" (so Josef Könemann, der ehemalige Vorsitzende der Interessengemeinschaft die bereits 1974 gegen den Bau der B 474n gegründet wurde). Sinn und Zweck der Interessenvertretung müsse es sein, parteipolitisch unabhängig die Forderungen der Grundbesitzer im Vorfeld weiterer Beratungen, Planfeststellungsverfahren oder Beschlüsse deutlich zu artikulieren, auch im Interesse einer intakten Umwelt als Lebensgrundlage, so Könemann weiter.

Nach seiner und der Meinung vieler Betroffener sei es erforderlich, ganz klar zu machen, daß der Boden nur über Enteignungen für das Projekt hergegeben werde. "Da ist eine Maschinerie in Gang gekommen, die wir so leicht nicht aufhalten. Nur wenn sich die zuständigen Stellen einer Flut von gerichtlichen Auseinandersetzungen um jeden Quadratmeter Land gegenübersehen, denken die da oben vielleicht noch um". Stärke und Entschlossenheit zu demonstrieren, sei das Gebot der Stunde. Hermann Aulke sah Parallelen zur Planung des Truppenübungsplatzes : "Damals war es an uns, dem Bund zu sagen, ihr habt Tausende Quadratmeter in den Borkenbergen, also übt da. Diesmal gibt es keine Alternative, sondern generell nur die Frage: Straßenbeu ja oder nein!".

Mit Sorge wurde daran erinnert, daß bereits früher in einem argrastrukturellen Gutachten auf die Zweckmäßigkeit eines Flurbereinigungsverfahrens für den Fall der Zerschneidung verschiedener Parzellen infolge des Straßenbaus hingewiesen worden sei und "das will doch nun wirklich niemand von uns!"

Einige Stimmen kritisierten die zögernede Haltung des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Olfen, der nun endlich "klipp und klar Stellung beziehen muß, auch wenn nur vier Vollbetriebe beim derzeitigen Planungstand berüht werden", forderte Dammann.

Alle Versammlungsteilnehmer begrüßten daher den Vorstandsvorschlag, acht Mitglieder zu wählen, die sich gemeinsam mit Vetretern aus Olfen und dem Kreisgeschäftsführer Brüggemann kurzfrisitg zur Aktionsgemeinschaft formieren sollen. Ohne Gegenstimmen wurden Adolf Hellkuhl, Josef Könemaun, Hermann Aulke, Lidger Schnieder, Alfons Schulze-Spüntrup gewählt. Beratend gehören OV-Vorstandsmitglieder Alfons Roerkohl, Anton Holz und Ludger Buerbank dem Gremium an.

Unter "Verschiedenes" wünschte Josef Sibbel eine Diskussion über die Bergbau-Nordwanderung, stieß mit seinem Vorschlag jedoch auf wenig Gegenliebe. Stadtverordneter Heinrich Dammann kündigte jedoch an, daß noch in diesem Herbst ein öffentlicher Informationsabend mit kompetenten Gesprächspartnern durchgeführt werden soll. Über den noch bekanntzugebenden Termin werde noch verhandelt.

Abschließend wurde darauf hingewiesen, daß der Ortsverein und die Landfrauen am 9. September (Montag) das Werk Haltern der Gelsenwasser AG besichtigen werden. Bei selbstorganisierter Anfahrt mit PKW treffen sich alle Interessierten mit 13.45 Uhr vor dem "Seehof" am Halterner Stausee. Zur Sprache kommen soll dabei auch die voraussichtliche Ausweitung des Wasserschutzgebietes, die bereits heute einigen Landwirten Sorge bereitet.


Quelle: Westfälische Nachrichten/Lüdinghauser Zeitung, 27. August 1985