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Gescheiterte Bewerbung um ein BMW-Werk in den Rieselfeldern 12. Dezember 2000


Dieser Text soll Ihnen einen ersten Überblick über die gescheiterte Bewerbung um ein BMW-Werk in den Rieselfeldern verschaffen.

Für weitere Informationen steht Ihnen unser Archiv zur Verfügung.



Standort des geplanten BMW-Werkes

In der folgenden Karte ist der Standort des geplanten BMW-Werkes eingetragen. Es ist die leichte Bearbeitung (Rotfärbung) einer Karte, die die Ratsmitglieder in Datteln in den öffentlichen Sitzungsvorlagen hatten:



Die Chancen bei BMW

Die Verantwortlichen in Datteln und Waltrop und besonders die ELA haben stets den Eindruck erweckt, als stehe der Ansiedlung von BMW nichts mehr im Wege. Die vermeintlich zahlreichen Vorteile wurden immer wieder in der Öffentlichkeit angepriesen, der "Industriepark Lippetal" sei der ideale Standort für die BMW-Milliardeninvestition.

Bei nüchterner Betrachtung hatte Datteln/Waltrop jedoch im Vergleich keine Chance. Ein Blick auf die 50 anderen in- und ausländische Konkurrenten hätte das gezeigt. So offennart der Standort Rieselfelder seine Schwächen: die fehlende verkehrliche Erschließung.



Die Rolle der BMW-Bewerbung

Daß sich übergeordnete Gremien - die Emscher-Lippe-Agentur - mit dem Rieselfeld für die Ansiedlung von BMW beworben haben, zeigt bereits, woher der Wind weht. Es ist vergleichbar mit Eltern, die ihr etwas pummeliges Kind zu einem Schönheitswettbewerb anmelden. Sie wissen, dass es nicht die Schönheitskönigin wird - aber vielleicht nimmt es vorher etwas ab. Genau um diesen "erzieherischen" Erfolg geht es der Landes- und Bezirksregierung. Waltrop soll "fit" gemacht werden: für eine schnelle Umsetzung der B 474n, Südumgehung und eine kleinteilige Vermarktung der Rieselfelder. Die aktuelle bereits vorher absehbare Absage von BMW stellt in diesem Zusammenhang kein Beinbruch dar. Die Bewerbung diente lediglich dazu, den Bau der B 474n und der Südumgehung zu beschleunigen und zu legitimieren.

Seit der Bewerbung als neuer BMW-Standort soll die B 474n bis 2006 fertiggestellt werden, drei Jahre früher als bisher geplant. Dabei sollen die Phasen der Entwurfaufstellung und Planfeststellung mit besonderer Priorität und mehr Personal vorantreiben (Karl-Otto Hildebrandt, Leiter des Bereichs Planung der Westfälischen Straßenbauamtes).



Anforderungen von BMW und Bewerber

BMW stellt nach derzeitigem Kenntnisstand u.A. folgende Anforderungen:

Finanzielle Anreize spielten für BMW angeblich keine Rolle, würden aber - wenn sie angeboten würden - mitgenommen werden.

Nach BMW-Produktionsvorstand Norbert Reithofer sind einzelne dieser Kriterien jeweils in den USA, Osteuropa aber auch Bayern erfüllt.

Es gibt eine vorläufige tabellarische Übersicht der der derzeit bekanntenn Bewerber.



Zeitlicher Ablauf

Seit annähernd 30 Jahren wird die Industrialisierung der Rieselfelder geplant: Kernkraftwerk, Heidelberger Druck und auch ein Zellstoffwerk sollten kommen, kamen aber nicht.

Zur Zeit sucht BMW einen neuen Standort für die Produktionserweiterung, die mit der neuen 2er-Reihe (Kompaktklasse, vergleichbar dem Golf) notwendig wird. Derzeit gibt es drei BMW-Werke (alle in Bayern): in Dingolfing, Regensburg und am Stammsitz München. Das neue Werk solle eine Jahreskapazität von 100.000 Autos haben, 2 Mrd. Mark sollen investiert und 3000 bis 5000 Arbeitsplätze geschaffen werden. DieseEinschätzung ist aber eher fraglich: Opel produziert in seinem hochmodernen Werk im thüringischen Eisenach mit knapp 2000 Arbeitern im Jahr 170.000 Fahrzeuge.

Am 25. Juli 2000 hat die Emscher-Lippe-Agentur (ELA) ihre Bewerbung abgegeben. BMW hat daraufhin einen 111 Punkte umfassenden Fragekatalog zugeschickt. Pünktlich zum 29. September wurde dieser von der ELA beantwortet. Im November/Dezember sollen die Standorte besucht werden.

Für die Industrialisierung sollte ein Zweckverband "Industriepark Lippetal" der Städte Datteln und Waltrop gegründet werden. Während Datteln dem zustimmte, lehnte der Waltroper Stadtrat dies zweimal (21. September und 26. Oktober) im Waltroper Stadtrat ab, solange es keine konkrete BMW-Entscheidung gibt. Daraufhin gab es Überlegungen der Dattelner Stadtspitze, notfalls die Rieselfelder auch im Alleingang zu industrialisieren.

Bereits am 8. November 2000 kam die Absage. Die Rieselfelder haben damit noch nicht einmal die erste Runde überstanden.

Als Erschließung war zunächst die K 12n (Südumgehung Waltrop) eingeplant, die zum Produktionsbeginn im Frühjahr 2004 fertiggestellt sein soll. Mit Beginn der zweite Produktionsphase 2006 soll der Bau der B 474n abgeschlossen sein.