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Die Stadt Olfen stellt Überlegungen hinsichtlich der zuküntigen Struktur ihres Straßennetzes an, die ggf. in konkrete Netzplanungen und -berechnungen münden sollen. Diese Überlegungen haben zunächst qualitativen Charakter; Quantifizerungen erfolgen über Einschätzungen, soweit entsprechendes Datenmaterial verliegt.
Hintergrund der jetzt angestoßenen Diskussion ist die Bundesfernstraßenplanung der B 474n. Im z.Zt. noch gültigen Bedarfsplan für die Bundesfernstraßen ist die B 474n als Neubauvorhaben zwischen der A 43 (nördlich Dülmen) und der A 2/A 45 (Autobahnkreuz Dortmund-Nordwest) verbindlich festgestellt. Die beiden Streckenabschnitte zwischen der B 474 und der B 58 westlich von Seppenrade (sog. Panzerstraße) sowie zwischen der B 235 nördlich von Datteln und dem Autobahnkreuz Dortmund-Nordwest (A 2/A 45) sind als Maßnahmen im 5-Jahresplan 1993 bis 1997 mit Ergänzungen bis 2000 eingestuft. Der Streckenabschnitt der B 474n zwischen der A 43 und der B 4Z4 östlich vor Dülmen sowie das im westlichen Stadtgebiet von Olfen geplante Teilstück zwischen der B 58 und der B 235 zählen zu den übrigen Maßnahmen des vordringlichen Bedarfs des Bedarfsplans für die Bundesfernstraßen.
Im Jahre 1992 wurde im Auftrag des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe eine Verkehrsuntersuchung zur B 474n durchgeführt. Diese Untersuchung wurde im Rahmen einer Umweltverträglichkeitsstudie für den Südabschnitt zwischen der B 235 und der A 2 (Raum Datteln/Waltrop) 1996/97 aktualisiert.
Gemäß den Anweisungen im Bedarsplan für die Bundesfernstraßen soll die B 474n als Querspange zwischen der A 43 im Norden und der A 2 im Süden für den überörtlichen Verkehr eine Verbindung zwischen dem westlichen Münsterland und dem östlichen Ruhrgebiet herstellen. Entsprechend den Zielsetzungen des Ausbauplanes dient die 474n auch der verkehrlichen Entlastung der längs dieses Straßenzuges gelegenen Ortsdurchfahrten Dülmen, Seppenrade (Lüdinghausen), Olfen, Datteln und Waltrop.
Der Bedarfsplan für die Bundesfernstraßen wird aktualisiert; allerdings wird sich das Verfahren voraussichtlich bis in die nächste Legislaturperiode des Bundestages hineinziehen. Im Rahmen dieses Verfahrens werden die Einstufungen im z.Zt. noch gültigen Bedarfsplan nicht übernommen. Bis auf sog. robuste Maßnahmen im Investitionsprogramm werden alle Maßnahmen neu geprüft; das gilt auch für die B 474n. Damit ergibt sich für die B 474n eine neue Planungslage. Es sind mindestens 3 Planfälle denkbar:
Planfall 1: Der Status-Quo bleibt erhalten; die B 474n wird nicht gebaut.

Planfall 2: Die B 474n entsteht in den Abschnitten zwischen der A 43 und dem Ende der "Panzerstraße" (Ortsumgehungen Dülmen und Seppenrade/Lüdinghausen) sowie zwischen der A 2 und der B 235 nördlich Datteln (Ortsumgehungen Datteln und Waltrop).

Planfall 3: Die B 474n wird auf ihrem gesamten bisher geplanten Abschnitt neu- bzw. ausgebaut.

In allen 3 Fällen wird sich die zukünftige Verkehrssituation in Olfen unterschiedlich darstellen:
Entsprechen die zukünftigen Bundesfernstraßenplanungen dem Planfall 1, wird sich die Verkehrssituation in etwa entsprechend dem heutigen Zustand einstellen; allerdings ist im Zuge der Verkehrsentwicklung mit erhöhtem Individualverkehrsaufkommen (Pkw und LkW) zu rechnen.
Die Realisierung der B 474n auf dem im Planfall 2 genannten Abschnitten wird einen erheblichen zusätzlichen Verkehrsdruck auf Olfen bewirken.
Die Realisierung der gesamten B 474n gemäß Planfall 3 wird sich eine Entlastung des Olfener Straßennetzes einstellen. Somit müssen für alle 3 Planfälle die Olfener Interessen definiert werden. Es gilt abzuschätzen, welche Maßnahmen im Olfener Straßennetz verfolgt werden sollen.
Durch das Stadtgebiet von Olfen verläuft die B 235 quasi in Nord-Süd-Richtung, auf die die B 236 im östlichen und die B 474 im nördlichen Stadtgebiet aufstoßen. Als weitere klassifizierte Straßen sind die Kreisstraßn K 8, K 9 und K 29 zu nennen. Die B 235, die heute bereits als Umgehungsstraße existiert, kann den nord-südlich gerichteten Durchgangsverkehr weitgehend aus der Kernstadt Olfen heraushalten.
Aus den Ergebnissen der letzten amtlicher Zählung 1995 können ca. 2000 Kfz-Fahrten im durchschnittlichen täglichen Verkehr (DTV) abgeschätzt werden, die die Kernstadt im Zuge der K 8 durchfahren. Mft der B 236/K 9/K 29 besteht eine Ost-West-Verbindung, die im Zuge der K 9 durch die Kernstadt verläuft. Auf dieser Achse wird zunehmender Ost-West-Verkehr beobachtet, da sich die Verkehrsteinehmer mehr auf die Autobahnanschlussstellen der A 43 ausrichten (insbesondere wegen der Überlastungen der Zufahrten zu den Anschlussstellen der A 2). Aus dem vorhandenen Datenmaterial kann ein Durchgangsverkehrsanteil von 3.000 bis 4.000 Kfz-Fahrten DTV auf dieser Ost-West-Achse eingeschätzt werden. Damit beträgt der gesamte Durchgangsverkehr ca. 6.000 Kfz-Fahrten DTV, der heute Ofen belastet.
Es ist an dieser Stelle zu bemerken, dass das Verkehrsvolumen im wesentlichen durch den "hausgemachten Verkehr" ausgelöst wird. Bei 11.000 Einwohnern und einer Mobilitätsrate im Pkw-Verkehr von ca. 2,0 können etwa 22.000 Pkw-Fahrten eingeschätzt werden, die die Olfener Bevölkerung selbst verursacht. Hinzuzurechnen sind noch ca. 10 bis 15% Besucher- und Kundenverkehr. Somit kann der gesamte sog. hausgemachte Verkehr mit ca. 25.000 Pkw-Fahrten täglich eingeschätzt werden. Hinzuzurechnen sind das Verkehrsaufkommen des Gewerbegebietes zwischen der Alten Fahrt des Dortmund-Ems-Kanals und der B 235 sowie der Lkw-Verkehr, die ohne aktuelle Zählergehnisse nur ungenügend geschätzt werden können. Der sog. hausgemachte Verkehr tritt als Binnenverkehr im Stadtgebiet bzw. in der Kernstadt und als Quell-/Zielverkehr bezogen auf die Kernstadt oder auf das gesamte Stadtgebiet auf.
Verkehrsexperten gehen davon aus, dass die "Auto-Mobilität" in der Zukunft vor allem im ländlichen Raum noch weiter ansteigen wird. Darüber hinaus vergrößert sich die Bevölkerungszahl in Olfen zuständig. Insofern werden auch der hausgemachte Pkw- und Lkw-Verkehr noch weiter zunehmen.
Die zukünftige Entwicklung des Durchgangsverkehrs kann je nach Gestaltung des klassifizierten Straßennetzes gemäß den 3 Planfällen im Raum Olfen wie folgt eingeschätzt werden:
Bei einer Gestaltung des Straßennetzes gemäß Planfall 1 wird der Durchgangsverkehr, der auch zukünftig durch die Kernstadt verläuft, auf mindestens 8.000 Kfz-Fahrten DTV ansteigen. Diese Einschätzung lässt sich anhand der zunehmenden Überlastungen der A 2-Zufahrten und aufgrund der allgemeinen Verkehrsentwicklung begründen.
Bei Realisierung des Planfalls 2 entsteht besonders großer Verkehrsdruck auf Olfen. Der Durchgangsverkehr durch die Kernstadt wird dann voraussichtlich eine Größenordnung vor ca 12.000 Kfz-Fahrten DTV annehmen.
Wenn, wie im Planfall 3 angenommen, die gesamte B 474n verwirklicht wird, kann der Durchgangsverkehr aus der Kernstadt nahezu vollständig verlagert werden.
Da die zukünftige Gestaltung des klassifizierten Straßennetzes im Raum Olfen zum Zeitpunkt 2000 wieder völlig offen ist, benötigt die Stadt ein Handlungsprogramm, um den derzeitigen Verkehrsproblemen insbesondere in der Kernstadt zu begegnen (u.a. zunehmender Ost-West-Verkehr) und um das zukünftige Verkehrsvolumen je nach Gestaltung des Straßennetzes aufzufangen. Ein solches Handlungsprogramm sollte im Rahmen der Aufstellung eines Verkehrsentwicklungsplanes detailliert erarbeitet werden.
Im Folgenden werden einige Vorschläge zur Straßennetzgestaltung insbesondere für den überörtlichen Verkehr unterbreitet, die sich aus den oben aufgeführten Einschätzungen ableiten lassen und die sich an den 3 Planfällen zur möglicher zukünftigen Gestaltung des klassflizienen Straßennetzes im Raum Olfen orientieren. Diese Vorschläge haben allerdings nur qualitativen Charakter und lassen sich hier nicht durch Quantifizierungen belegen.
Der Planfall 3 (vollständige Realisierung der B 474n) stellt die verkehrlich optimale Lösung für Olfen dar. Die Stadt erhält zusätzlich zur Süd-Ost-Umgehung im Zuge der B 235 eine westliche Umgehung im Zuge der B 474n. Damit kann der gesamte nord-südlich durchlaufende Verkehr aus dem städtischen Straßennetz herausgenommen werden; außerdem entsteht durch die Verbindung der südlichen Abschnitte der B 235 und B 474n südlich der K 9/K 29 eine Südumgehung für Olfen, die den gesamten Ost-West-Verkehr auf diese Umgehung verlagert. Damit kann der ortsfremde Verkehr, der in Olfen weder Quelle noch Ziel hat, vollständig aus dem bebauten Stadtgebiet herausgenommen werden.
Für diesen Fall wird empfohlen, die Verknüpfung der B 235 mit der B 474n und der Dattelner Straße als Kreisplatz auszubilden. Zudem ist es zweckmäßig, zusätzlich zum Bau der B 474n als Westumgehung von Olfen in die städtischen Planungen eine ortsnahe westliche Erschließungsstraße etwa im Zuge der Straße Springenkamp einzubeziehen, die dann einen Anschluss an die B 474n erhalten muss. Diese Erschließungsstraße wäre in der Lage, den gesamter Quell- urd Zielverkehr der Wohngebiete westlich der Kökelsumer Straße/Eckernkamp, der im Wesentlichen nach Süden ausgerichtet ist, unmittelbar auf das regionale Straßennetz abzuleiten.
Aus heutiger Sicht ist allerdings anzunehmen, dass der Status-Quo (Planfall 1) auf viele Jahre hinaus erhalten bleibt. Auch in diesem Fall wird empfohlen, die ortsnahe westliche Erschließungsstraße zwischen der B 235 (Dattelner Straße) und der K 9 (Eversumer Straße) in die städtischer Planungen einzubeziehen, um insbesondere den Quell- und Zielverkehr der westlich gelegenen Wohngebiete ohne Durchfahrt durch die Stadt auf das regionale Straßennetz abzuleiten.
Die westliche Erschließungsstraße kann dann auch in Zusammenhang mit der B 235 den Ost-West-Verkehr aus dem Stadtgebiet herausnehmen. Dazu wäre es allerdings notwendig, die Ost-West-Durchfahrt durch die Stadt mit Hilfe eines stadtverträglichen Umbaus bzw. Rückbaus der Bilholtstraße zu erschweren.
Kommt langfristig der Planfall 2 zum Tragen (Bau der B 474n in Teilstücken ohne Westumgehung Olfen), dann muss die Stadt auf den erhöhten Verkehrsdruck reagieren. Da in diesem Fall insbesondere ein erhöhtes Verkehrsaufkommen von der B 235 (Dattelner Straße) in Richtung K 8 (Kökelsumer Straße) drängt, wird empfohlen, die ortsnahe westliche Erschließungsstraße über die K9 (Eversumer Straße) hinaus bis zur K 8 etwa in Höhe der Straße Achterheide zu verlängern.
Generell wird hier die Empfehlung ausgesprochen, dass die Stadt Olfen gemeinsam mit der Städten Dülmen, Lüdinghausen, Datteln und Waltrop die Realisierung der gesamten B 474n fordert. Dieser neue Straßenzug hat nicht nur die Aufgabe der regionalen Verbindung zwrschen dem Münsterland und dem östlicher Ruhrgebiet, sondern fungiert auch als Ortsumgehung und Entlastung für die o.g. Städte.
gez. Dipl.-Ing. Alfred Brüll
Quelle: IVV Aachen, 22. Februar 2000