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"Die Region muss handeln" 10/2000


Wie geht es mit newPark weiter? Jetzt, da die Wettbewerbsergebnisse mit zukunftsweisenden Konzepten für ein großes Industrie- und Gewerbegebiet auf dem Tisch liegen, muss die Emscher-Lippe-Region handeln. In den nächsten drei bis fünf Jahren müssen Ergebnisse sichtbar sein.

"Ein Konzept für newPark hat nur Erfolg mit unverwechselbaren neuen Aussagen. Alte Handlungsansätze, wie sie bisher bei der Realisierung von Gewerbeparks angewandt wurden, sind nicht zielführend und eher hinderlich." Mit diesem Hinweis wendet sich der Vorsitzende der newPark-Jury, Prof. Albert Speer, an den Vestischen Emscher-Lippe-Raum, um neue Wege und eine neue Denkweise in der Wirtschaftsförderung und Flächenpolitik zu beschreiten.



Projekt für eine Region

Bis dato ist die Ansiedlung von Unternehmen zumeist eine reine Grundstücksfrage. Und wenn dabei überhaupt städteübergreifend gedacht wird, dann beschränkt, wie etwa im Fall des interkommunalen Industrieparks Dorsten/Marl, bei dem nur zwei Kommunen zusammenarbeiten. Innovative Betreibermodelle, ein attraktives Serviceangebot für Unternehmen oder ein spezielles Vermarktungskonzept sind (noch) kein Thema. Inzwischen setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass neue große Projekte, von denen auch andere als die unmittelbaren Standortkommunen profitieren, nach altem Schema kaum noch zu verwirklichen sind. Nicht mehr nur eine oder zwei Kommunen, sondern eine ganze Region muss sich zu derartigen Projekten bekennen. newPark ist ein solches Projekt, das nur dann erfolgreich sein kann, wenn sich der gesamte Vestische Emscher-Lippe-Raum dahinterstellt. Das ist der erste wichtige Schritt, den die Region vollziehen muss. Unterstützung bei der Umsetzung kommt dabei vom Landeswirtschaftsministerium. Staatssekretär Jörg Bickenbach, stellvertretender Vorsitzender der newPark-Jury, hat der Region bereits seine Hilfe zugesagt.

Rund-um-Betreuung

Im Gegensatz zu den traditionellen Formen der Ansiedlungspolitik steht bei newPark das Angebot einer umfassenden Betreuung interessierter Unternehmen von Beginn an im Vordergrund. newPark soll ähnlich geführt werden wie ein großes Einkaufszentrum: von der Grundstucksbeschaffüng, Planung, Genehmigungen, Finanzierungen, Beratungen, Errichtung der zu veräußernden und vermietenden Gebäude, dem facility-management bis hin zur Logistik und einem Arbeitskräftepool. Das Betreiberkonzept soll eine zugleich dauerhafte, zielgerichtete und nachhaltige Nutzung der Grundstücke sichern. Insbesondere muss das Parkmanagement mit weitreichenden Entscheidungskompetenzen und Befügnissen ausgestattet sein und interessierten Untemehmen verbindlich Zusagen machen können. Eine Zersplitterung von Entscheidungskompetenzen ist nicht nur unwirtschaftlich, sie behindert zugleich auch die Vermarktung und damit den Erfolg von newpark.



Stärken ausbauen

Damit newPark möglichst schnell realisiert werden kann und außerdem noch auf die Emscher-Lippe-Region ausstrahlt, muss der Industriepark auf vorhandene Stärken im nördlichen Ruhrgebiet aufbauen und diese zu Schwerpunkten ausbilden. Die newPark-Jury empfahl der Kammer daher, zunächst mit einer großen Fläche zu beginnen und dort newPark zu verwirklichen. Später sollen auch weitere Flächen bzw. Standorte einbezogen werden.



Erst bündeln

Die anfängliche Konzentration und Bündelung auf einen Standort sind zeitlich und in der Vermarktung vorteilhaft. Dezentrale Konzepte erfordern einen wesentlich höheren Koordinierungsaufwand und erschweren die Arbeit der Betreibergeselischaft. Insofern setzt auch ein dezentrales Konzept zunächst die Entwicklung eines Kemgebietes voraus. Entscheidend für eine Positionierung von newPark im internationalen Akquisitionsgeflecht ist darüber hinaus die Größe eines einheitlichen geschlossenen Areals.



Konzept und Vision

Das newPark-Konzept darf sich nicht auf einen zu kurzen Zeitraum beschränken. Es muss zudem flexibel sein und Investoren direkt ansprechen. Dabei sind das Parkmanagement, die Flächenentwicklung und die Vermarktung vorrangig. Konzeptionell sollte newPark heute für einen Zeitraum von etwa 10 bis 15 Jahren für eine zentrale Fläche geplant werden. Damit ist es allerdings noch nicht genug. Denn parallel dazu muss eine Vision für die gesamte Emscher-Lippe-Region her, die auch über diesen Zeitraum hinausgeht. Allerdings geht es hier nicht allein um Industrie- und Gewerbeflächen, sondern auch um die weichen Standortfaktoren wie Freizeit, Wohnen oder Kultur.



Erste Ergebnisse bis Ende 2001

"Spätestens Ende nächstens Jahres müssen erste Ergebnisse vorliegen und der Weg zu einem realen newPark geebnet sein", mahnt Jörg Siebert vom Gewinnerteam ARCADIS zur Eile. Er schlägt deshalb die rasche Gründung einer Interimsgesellschaft vor.



Machbarkeitsstudie

Deren Aufgabe wird es sein, für eine Machbarkeitsstudie eine konkrete Fläche auszuwählen, Flächeneigentümer und Kommunen einzubinden, die Zielgruppen und damit den Branchenmix für newPark festzulegen, eine Kostenplanung für die Erschließung der Fläche aufzustellen, die vorgeschlagenen Lösungen in den Bereichen "Steuern und Finanzen" und "Beschäftigung und Tarifgestaltung" zu konkretisieren, einen Vorhabens- und Erschließungsplan zu erstellen sowie eine detaillierte Finanzplanung zu erarbeiten.

Karl-F. Schulte-Uebbing


Quelle: Wirtschaftsspiegel (Zeitschrift der IHK Münster), 10/2000